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Rhyolith ist das Gestein des Jahres 2026
Feinkörnig, kieselsäurereich und oft mit explosivem Vulkanismus verbunden, ist Rhyolith ein geologisch vielseitiges Gestein und nun zum Gestein des Jahres 2026 gekürt worden. Das vulkanische Gegenstück zum Granit kann bei sehr schneller Abkühlung glasig erstarren und prägt in Sachsen ganze Landschaften. Zugleich wird Rhyolith seit Jahrhunderten als Bau- und Werkstein genutzt und dient heute auch als Rohstoff im Verkehrs- und Tiefbau.
Mohorn-Grund (Deutschland). Am 20. September 2026 ist Rhyolith am Nationalen Geotop „Porphyrfächer“ bei Mohorn-Grund im Rahmen des „Tags des Geotops“ feierlich zum Gestein des Jahres 2026 getauft worden. Der historische Steinbruch zeigt das vulkanische Gestein an seinem natürlichen Vorkommen und macht seine geologische Entstehung unmittelbar sichtbar.
Seit 2007 wählt ein Fachkuratorium unter Federführung des Berufsverbands Deutscher Geowissenschaftler e. V. (BDG) jedes Jahr ein Gestein aus. Die Initiative soll auf geologische Entstehungsprozesse, die Funktion von Gesteinen im Naturraum und ihre wirtschaftliche Bedeutung aufmerksam machen, wobei nach Ton im Jahr 2025 nun ein Vulkanit im Mittelpunkt steht.
Rhyolith gehört zu den Vulkaniten, also Gesteinen, die aus an oder nahe der Erdoberfläche erstarrtem Magma hervorgehen. Er ist reich an Siliziumdioxid, meist mit mehr als 70 Prozent SiO₂, und entspricht in seiner chemischen Grundzusammensetzung dem Tiefengestein Granit. Typische Minerale sind Quarz, Alkalifeldspat und Plagioklas, hinzu kommen je nach Gestein unter anderem Biotit oder Pyroxen.
Da rhyolithisches Magma viel Siliziumdioxid enthält, ist es zähflüssig und hält Gase leichter zurück, wodurch solche Magmen zu explosiven Eruptionen mit viel Asche und Bims neigen können. Kühlt eine rhyolithische Schmelze besonders schnell ab, kann statt eines vollständig kristallinen Gesteins vulkanisches Glas entstehen. Ein bekanntes Beispiel ist Obsidian, den viele aus dem Computerspiel Minecraft kennen.
Die schnelle Abkühlung an der Oberfläche erklärt auch das typische Gefüge des Rhyoliths. Seine Grundmasse ist meist fein- bis kleinkörnig oder glasig, während größere Kristalle als Einsprenglinge erhalten bleiben können. Solche porphyrischen Rhyolithe wurden historisch oft als Porphyr oder Quarzporphyr bezeichnet.
Besonders anschaulich lässt sich die Geschichte des Gesteins in Sachsen verfolgen, denn im Tharandter Wald entstand vor rund 314 bis 313 Millionen Jahren eine Caldera, also ein großer vulkanischer Einsturzkrater. Untersuchungen zeigen dort mächtige, stark verschweißte Ignimbrite, die auf heiße Gemische aus Asche, Bims und Gesteinsbruchstücken zurückgehen und sich während großer Eruptionen ablagerten.
Der quarzarme Rhyolith ist das häufigste Gestein dieser Caldera und im ehemaligen Steinbruch von Mohorn-Grund in auffällige Säulen zerlegt, die fächerförmig angeordnet sind und dem „Porphyrfächer“ seinen Namen gaben. Da die Säulen senkrecht zu den Abkühlungsflächen des Gesteins stehen, weist ihre besondere Stellung auf unregelmäßige Abkühlungsflächen oder mögliche Transportwege heißer Gase hin. Der aufgelassene Steinbruch ist seit 1958 Naturdenkmal und seit 2019 als Nationales Geotop ausgewiesen.
Rhyolith ist nicht nur ein geologisches Archiv, denn wegen seiner Festigkeit und chemischen Beständigkeit wird das Gestein auch als Naturstein sowie im Verkehrs- und Tiefbau verwendet. Es kommt beispielsweise im Straßenbau, als Bahnschotter und als Zuschlag für Beton zum Einsatz, während auffällig gefärbte Varietäten als Bau- und Werkstein dienen.
Ein bekanntes Beispiel ist der Rochlitzer Porphyrtuff aus Nordwestsachsen, ein rhyolithischer Ignimbrit, der 2022 von der International Union of Geological Sciences (IUGS) als Heritage Stone ausgezeichnet wurde. Der rötliche Naturstein wird seit dem Mittelalter als Bau- und Bildhauerstein genutzt, zu den bekannten Anwendungen gehört auch die 1924 errichtete Säulenhalle am Grabmal Immanuel Kants in Kaliningrad.