// TAGESSCHAU INLAND — CRONACA
Warum Schwarz-Rot auf den "Tankrabatt" setzt
Eigentlich wollte die Regierung hohe Spritpreise nicht einfach "wegsubventionieren". Doch seit heute gilt die Neuauflage des "Tankrabatts". Warum Union und SPD trotz Kritik darauf setzen - und was danach kommen soll.
"Ziemlicher Quatsch", "Gießkannenprinzip", "ökonomisch kontraproduktiv" - führende Wirtschaftswissenschaftler und die Opposition im Bundestag sind sich einig: Der "Tankrabatt" ist falsch. "Für mich war das vor allem Ausdruck der Verzweiflung der Politik", sagt die Wirtschaftsweise Monika Schnitzer. Und selbst Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) sieht den Tankrabatt "jetzt nicht als ordnungspolitische Meisterleistung".
Warum gewann er trotzdem den politischen Ideenwettbewerb in der Frage, wie Autofahrer und Wirtschaft von den Folgen stark steigender Spritpreise entlastet werden können?
FAQ
01.10.2026
Ab heute gilt ein neuer "Tankrabatt" - 16,7 Cent pro Liter soll der Nachlass betragen.
mehr
Sinnbildlich für die Unzufriedenheit - selbst der Bundesregierung - steht Kanzler Friedrich Merz (CDU). Der hatte im ARD-Sommerinterview noch betont, dass man den hohen Ölpreis "in Deutschland nicht wegsubventionieren" könne.
Kann man doch - zumindest ein bisschen. Ziemlich genau einen Monat später ist der "Tankrabatt" wieder da, vergangene Woche im Eilverfahren durch Bundestag und Bundesrat gebracht. Dabei hat sicher eine Rolle gespielt, dass SPD-Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) im Landtagswahlkampf darauf gedrungen hatte.
Hintergrund: Es sollte anderen nicht mehr so leicht gemacht werden, auf Union und SPD "einzudreschen". Nicht umsonst hatte der AfD-Kandidat Ulrich Siegmund vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt demonstrativ seine letzte Tankrechnung mitgebracht. Botschaft: Seht her, wohin uns CDU und SPD geführt haben.
Die Koalition ist dabei erneut in eine selbstgestellte Falle getappt - indem sie etwas ankündigte, das sie später nicht komplett umsetzen konnte. Nachdem die Spritpreise wegen des Iran-Kriegs stark nach oben gegangen waren, bildeten die Regierungsfraktionen eine Taskforce. Die betonte, die Menschen nicht alleine zu lassen mit den steigenden Kosten für Benzin und Diesel.
Eine offensichtlich weitgehend wirkungslose 12-Uhr-Regel für Tankstellen wurde eingeführt, der erste "Tankrabatt" kam und ging mit dem Fazit, dass die Mineralölkonzerne immerhin knapp 80 Prozent an Verbraucher weitergegeben haben. Die Preise stiegen weiter.