// SCINEXX — SPAZIO & SCIENZA
Konsumstärkste Menschen verursachen Umweltschäden in Billionenhöhe
Die zehn konsumstärksten Prozent der Weltbevölkerung verursachen Klima- und Umweltschäden von bis zu 5,7 Billionen US-Dollar pro Jahr, eine Summe, die die Finanzierungszusagen der internationalen Gemeinschaft für den Klimaschutz und den Erhalt der biologischen Vielfalt um ein Vielfaches übertrifft. Wenn das Verursacherprinzip gelten würde, die wohlhabenden Menschen also die Schäden ihres Konsums selbst bezahlen müssten, stünden mehr als ausreichende finanzielle Mittel für den Umweltschutz bereit.
Oxford (England). Die Forschung hat bereits vor Langem gezeigt, dass wohlhabende Menschen für überdurchschnittliche Umwelt- und Klimaschäden verantwortlich sind, unter anderem, weil sie durch ihren Lebensstil, etwa ihre Ernährung, ihren Wohnraum und ihre Mobilität, hohe CO₂-Emissionen verursachen. Wissenschaftler der Universität Leiden um Inge Schrijver haben nun eine Studie publiziert, die die Umweltschäden der zehn einkommensstärksten Prozent der Weltbevölkerung untersucht hat.
Es handelt sich dabei um eine besonders konsumstarke Gruppe, deren jährliches Einkommen bei etwa 65.500 US-Dollar liegt. In Deutschland erzielen etwa 45 Prozent aller Vollzeitbeschäftigten ein solches Einkommen, in den U.S.A. mehr als die Hälfte. Rund 60 Prozent der zehn konsumstärksten Prozent der Menschen leben in der Europäischen Union (EU) und den U.S.A.
Um die Umweltschäden der einkommen- und konsumstarken Menschen zu ermitteln, haben die Forscher die konsumbezogenen Umweltfußabdrücke mit den Preisansätzen des Environmental Prices Handbook 2024 kombiniert. Dadurch konnten sie berechnen, wie groß die auf den Konsum zurückgehenden finanziellen Schäden durch den Klimawandel, Biodiversitätsverluste, Stickstoff- und Phosphorverschmutzung sowie den Verbrauch von Süßwasser sind. Die Konsumdaten stammen aus 2017, dem aktuellsten weltweit vergleichbaren Datensatz.
Konsumstärkste Menschen verursachen Umweltschäden in Billionenhöhe
Laut der Analyse liegen die Umweltschäden zwischen 1,7 und 5,7 Billionen US-Dollar pro Jahr. Der mittlere und obere Bereich der Schätzung übertrifft die Finanzierungszusagen der internationalen Gemeinschaft für den Klimaschutz und den Erhalt der biologischen Vielfalt also um ein Vielfaches und liegt in einer Größenordnung, die dem geschätzten globalen Finanzierungsbedarf entspricht.
„Diese Schäden sind reale Kosten, die irgendwo getragen werden. Sie werden von Ökosystemen getragen, von Gemeinschaften, die Dürre und Verschmutzung ausgesetzt sind, und von Menschen, die sich am wenigsten gegen eine destabilisierte Umwelt schützen können. Mit 1,7 bis 5,7 Billionen Dollar pro Jahr bewegen sie sich in einer Größenordnung, die den internationalen Finanzierungslücken für Klima- und Biodiversitätsschutz zusammen entspricht, und sie unterschätzen mit hoher Wahrscheinlichkeit das tatsächliche Ausmaß: Wir erfassen nur den direkten Konsum und vier der neun planetaren Belastungsgrenzen. Die Top 10 Prozent sind nicht nur Konsumenten, sondern auch Investoren, Bürger, Arbeitgeber und Vorbilder, und eine ernsthafte Minderungsstrategie muss all diese Rollen einbeziehen.“ Paul Behrens
Innerhalb der global konsumstärksten zehn Prozent liegt die Schadenssumme zwischen 2.300 und 7.500 US-Dollar jährlich. Innerhalb der untersuchten Länder Brasilien, China, Ägypten, Deutschland, Indien und den U.S.A., die die wohlhabendsten Länder verschiedener Kontinente repräsentieren, ist die Pro-Kopf-Schadenssumme mit 19.000 bis 63.000 US-Dollar pro Jahr in den U.S.A. am höchsten. Am geringsten sind die Umweltschäden pro Person in sehr einkommensschwachen Ländern wie Indien und Ägypten.
Ein Großteil der berechneten Umweltschäden entfällt nicht auf den Klimawandel (36 bis 45 %), sondern auf Biodiversitätsverluste (47 bis 56 %). In Anbetracht dieser Ergebnisse sprechen sich die Forscher dafür aus, dass die Klima- und Biodiversitätskrise als gemeinsames Problem gesehen werden sollte, anstatt als zwei Probleme, die man getrennt voneinander lösen kann.
Wie die Forscher e