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Ein Jahr Befüllungspflicht für die E-Patientenakte: Ein Blick, vieles unklar
Ein Jahr nach der Befüllungspflicht für die ePA trüben weiterhin technische Ausfälle und Anmeldeprobleme das Bild.
Das Bundesgesundheitsministerium zieht eine positive Bilanz zum einjährigen Bestehen der Befüllungspflicht für die elektronische Patientenakte.
„Ein Blick, alles klar“: So soll die ePA nach dem Willen des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) funktionieren. Wer zum Jahrestag der Befüllungspflicht genauer hinschaut, stößt aber auf Fragen. Wie viele Versicherte nutzen ihre Akte tatsächlich? Wie oft schauen Praxen hinein? Und woran lag es, wenn mal wieder nichts ging? Auch mit der versprochenen Transparenz klappt es nur halb. Ob Telematikinfrastruktur-Störungsportal oder TI-Dashboard: Oft bleibt offen, was hinter einer Störung oder einem Knick in der Statistik steckt.
Dabei sprechen BMG und Gematik von einem Erfolg, und bei einem Teil stimmt das auch: Die digitale Medikationsliste hilft. Ärzte und Apotheker sehen so schneller, welche Medikamente ein Patient bekommt, und können Wechselwirkungen eher erkennen.
Im Alltag sieht vieles aber anders aus. Für Versicherte ist die Akte oft schwer zu erreichen. Das liegt an der Anmeldung, aber auch an Ausfällen bei Diensten der Telematikinfrastruktur (TI). Weil viele Dienste ineinandergreifen, bleibt oft unklar, wo der Fehler genau lag.
Von den rund 74,5 Millionen gesetzlich Versicherten haben rund 73 Millionen eine ePA von ihrer Krankenkasse erhalten. Wer sie nicht will, muss widersprechen. Bei den privaten Versicherern, die eine ePA freiwillig anbieten können, gibt es dpa zufolge 386.000 Akten.
Wie viele Menschen ihre Akte selbst nutzen, ist eine andere Frage. Laut TI-Dashboard der Gematik haben derzeit mehr als 5 Millionen Versicherte eine GesundheitsID. Wie schwer sich Versicherte mit der Anmeldung tun, zeigte zuletzt auch eine Studie der Ernst-Abbe-Hochschule Jena: Nur ein Viertel interessiert sich überhaupt für die Nutzung der eigenen ePA, viele scheitern schon an der Registrierung. Nur damit können sie ihre Daten und deren Sichtbarkeit verwalten. Ende August fiel zudem die Zahl der GesundheitsIDs plötzlich von 5,8 auf 5,2 Millionen. Die Gematik erklärte auf Anfrage von heise online, ein Anbieter stelle gerade auf ein neues Produkt um. Deshalb würden die Daten zeitweise nicht vollständig geliefert. Den alten Stand hat die Zahl bis heute nicht wieder erreicht. Die Schwankungen würden erst nach und nach ausgeglichen, wenn sich Versicherte erneut anmelden.
Zeitgleich wurde bei der AOK die Ident-App auf eine neue Anmeldetechnik umgestellt, den sogenannten sektoralen Identity Provider 2.0. Dabei hat die AOK, wie ein Sprecher des Verbands mitteilte, nur GesundheitsIDs übernommen, die höchstens sechs Monate alt waren. Ob weitere Kassen betroffen sind, ist unklar.
Bei den Praxen sieht die Bilanz auf den ersten Blick gut aus. Laut TI-Dashboard nehmen 123.251 Einrichtungen an der ePA teil. Details zu den Öffnungen werden nicht erfasst. Wie komplex allein das Hochladen von Dokumenten für Kliniken ist, schildern IT-Verantwortliche aus Krankenhäusern: Für Vorgaben zum Upload mussten 25 Seiten Erklärungen verfasst werden. Krankenhäuser stellt die Akte zudem auch vor prozessuale Herausforderungen, weshalb aktuell nur wenige die Akte befüllen. Laut TI-Dashboard werden zuletzt rund 3,3 Millionen Dokumente pro Woche hochgeladen, heruntergeladen etwa 1,15 Millionen.
Nach einem Rückgang der Zahlen ab Mitte Juli und einem kurzen Einbruch Ende August steigen sie seit September wieder. Die Zahl der geöffneten Medikationslisten wuchs in dieser Zeit von etwa 23 auf knapp 39 Millionen. Die Gematik erklärt den Rückgang bei den Up- und Downloads auf Anfrage von heise online mit der Sommerferien- und Urlaubszeit.