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Stirbt Mastodon an Europas neuem Jugendschutz?
Der geplante KIDS Act der EU stellt das Fediverse vor technische und organisatorische Probleme. Es dürfte aber nicht das Ende sein, wie manche Kritiker warnen.
(Bild: Tada Images / Shutterstock.com / Bearbeitet von heise Medien)
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Der geplante KIDS Act der EU sorgt für Unruhe im Fediverse, dem Verbund unabhängiger Server rund um Mastodon. Kritiker warnen vor Altersverifikation auf jedem einzelnen Server und sehen das Ende dezentraler sozialer Netzwerke kommen. Ein Blick in den Gesetzesentwurf und auf die Technik zeigt: Ganz so dramatisch ist es nicht, einige Vorgaben stellen das Fediverse aber vor erhebliche technische und organisatorische Probleme.
Stefan Wintermeyer ist Consultant und Trainer für Software- und Systemarchitektur.
„Bye Bye Fediverse“ überschrieb die österreichische Bürgerrechtsorganisation epicenter.works einen Abschnitt ihrer Analyse des KIDS Act, mit dem die EU-Kommission Kinder und Jugendliche im Netz schützen will. Der Vorwurf: Das Gesetz verschone kleine Plattformen nicht und bedeute „Altersverifikation für jede einzelne Instanz“, also für jeden einzelnen Server. Einer mit ein paar hundert Nutzern könne sich das nicht leisten. Aber was ist dieses Fediverse überhaupt, und warum wirkt ein EU-Gesetz dort anders als bei Facebook oder TikTok?
Ich betrachte das Thema aus zwei Perspektiven: Ich betreibe mit vutuv selbst ein Business-Netzwerk, das am Fediverse teilnimmt. Gleichzeitig bin ich Vater zweier Teenager. Die Frage, wie man Minderjährige vor problematischen Mechanismen sozialer Netzwerke schützt, ist für mich daher alles andere als akademisch.
Das Fediverse ist kein einzelnes soziales Netzwerk und hat keinen zentralen Betreiber. Es besteht aus voneinander unabhängigen Servern, häufig Instanzen genannt. Deren Nutzer können trotzdem miteinander kommunizieren, grob vergleichbar mit E-Mail, wo Nutzer verschiedener Anbieter Nachrichten austauschen. Dieses Zusammenspiel unabhängiger Server heißt Föderation.
Technische Grundlage ist in weiten Teilen ActivityPub, ein Protokoll des Web-Standardisierungsgremiums W3C. Es beschreibt, wie Server Nutzerkonten, Beiträge und Aktionen wie Folgen oder Teilen untereinander austauschen. Bei einer zentralen Plattform ist die Struktur vereinfacht "Betreiber Plattform Nutzer". Im Fediverse kommunizieren dagegen Nutzer verschiedener, voneinander unabhängiger Betreiber miteinander.
Mastodon ist eine der bekanntesten Serversoftwares für das Fediverse. Es gibt jedoch nicht den einen Mastodon-Server. Unabhängige Personen und Organisationen setzen die Open-Source-Software ein und verbinden ihre Instanzen über ActivityPub mit anderen. Mastodon ist also weder das Fediverse noch der Anbieter aller Mastodon-Server. Als Beispiel dient es hier, weil Implementierung und Dokumentation offen zugänglich sind.