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Entkoffeinierter Kaffee könnte das Gedächtnis fördern
Koffeinfrei und trotzdem wirksam: In einer kleinen Studie verbesserten sich zwei Gedächtnistests nur bei regelmäßigen Kaffeetrinkern, die nach einer zweiwöchigen Pause drei Wochen lang entkoffeinierten Kaffee erhielten. Zugleich veränderten sowohl koffeinhaltiger als auch entkoffeinierter Kaffee das Darmmikrobiom. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass andere Kaffeebestandteile neben Koffein an Effekten auf Gehirn und Stimmung beteiligt sein könnten.
Cork (Irland). Kaffee wirkt im Körper nicht nur durch Koffein. Das Getränk enthält unter anderem Polyphenole und andere Pflanzenstoffe, die auch von Darmbakterien verarbeitet werden können. Damit rückt die Verbindung zwischen Darmflora und Gehirn in den Blick: Veränderungen des Mikrobioms könnten mit beeinflussen, wie Ernährung auf Stoffwechsel, Stimmung und Denkvermögen wirkt.
Wie stark Kaffee selbst in dieses Zusammenspiel eingreift, ist jedoch noch kaum geklärt. Forscher des University College Cork (UCC) um Prof. John F. Cryan haben deshalb untersucht, wie sich gewöhnlicher Kaffeekonsum, eine Kaffeepause und anschließend koffeinhaltiger oder entkoffeinierter Kaffee auf Darmmikrobiom, Stoffwechsel und psychologische Messwerte auswirken.
Für die Studie verglich das Team zunächst 31 gesunde Erwachsene, die täglich drei bis fünf Tassen Kaffee tranken, mit 31 Menschen, die keinen Kaffee tranken. Die Kaffeetrinker verzichteten danach zwei Wochen vollständig auf Kaffee. Anschließend erhielten 15 von ihnen drei Wochen lang täglich vier Portionen entkoffeinierten Instantkaffee, 16 bekamen die koffeinhaltige Variante. Die Zuteilung war verblindet.
Schon der Vergleich zu Beginn zeigte Unterschiede im Darmmikrobiom und in mehreren Stoffwechselprodukten. Während der Kaffeepause verschob sich das Muster erneut. Wurde Kaffee wieder eingeführt, reagierte das Mikrobiom sowohl auf koffeinhaltigen als auch auf entkoffeinierten Kaffee. Das spricht dafür, dass ein Teil der Veränderungen nicht vom Koffein allein abhängt.
„Das öffentliche Interesse an der Darmgesundheit ist enorm gestiegen. Auch der Zusammenhang zwischen Verdauungs- und psychischer Gesundheit wird zunehmend besser verstanden, doch die Mechanismen hinter den Effekten von Kaffee auf diese Darm-Hirn-Achse waren bislang unklar. Unsere Ergebnisse zeigen Reaktionen des Mikrobioms und des Nervensystems auf Kaffee sowie mögliche langfristige Vorteile für ein gesünderes Mikrobiom. Kaffee könnte verändern, was Mikroben gemeinsam tun und welche Stoffwechselprodukte sie nutzen. Während sich die Öffentlichkeit weiter mit Ernährungsänderungen für das richtige Gleichgewicht im Verdauungssystem beschäftigt, könnte Kaffee auch als weitere Maßnahme im Rahmen einer gesunden, ausgewogenen Ernährung genutzt werden“, erklärt Prof. John F. Cryan.
Besonders auffällig war ein Unterschied bei den Gedächtnistests. Nur in der entkoffeinierten Gruppe verbesserten sich nach der Intervention mehrere Werte eines Tests zum episodischen Gedächtnis. Auch bei einer Aufgabe zum räumlichen Lernen machte diese Gruppe anschließend weniger Fehler. Bei den Teilnehmern mit koffeinhaltigem Kaffee zeigte sich dieser Gedächtnisvorteil nicht.
Das bedeutet allerdings nicht, dass Koffein grundsätzlich ungünstig für das Denken war. Die koffeinhaltige Gruppe schnitt nach der Intervention bei einem Test für Aufmerksamkeit und geistige Wachheit besser ab. Beide Kaffeevarianten gingen zudem mit niedrigeren selbst berichteten Stress-, Depressions- und Impulsivitätswerten einher. Nur bei koffeinhaltigem Kaffee sanken außerdem Angst und psychische Belastung, während sich in der entkoffeinierten Gruppe Schlafqualität und körperliche Aktivität verbesserten.
„Kaffee ist mehr als nur Koffein. Er ist ein komplexer Ernährungsfaktor, der mit unseren Darmmikroben, unserem Stoffwechsel und sogar unserem emotionalen Wohlbefinden interagiert. Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass Kaffee, ob koffeinhaltig oder entkoffeiniert, die Gesundheit auf unterschiedliche, aber sich ergänzende Weise