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Xbox-Chefin entdeckt das kleine Einmaleins des Konsolengeschäfts wieder
Asha Sharma räumt mit dem Schlingerkurs auf. Ob daraus wieder begehrenswerte Xbox-Hardware wird, entscheiden am Ende die Spiele.
Vor zwei Jahren erklärte Microsoft praktisch alles zur Xbox. Fernseher, Smartphones, Fire TV Sticks. Fehlte eigentlich nur noch die Mikrowelle mit Game Pass. Der Abo-Service sollte einmal Netflix für Spiele werden. Inzwischen erinnert er eher an einen Mobilfunktarif, bei dem man alle paar Monate nachsehen muss, was eigentlich noch inklusive ist. Die Botschaft war jedenfalls klar. Xbox sollte nicht länger an eine Konsole gebunden sein, sondern überall stattfinden. Nur hat die Sache einen Haken: Wenn alles Xbox ist, ist irgendwann nichts mehr Xbox.
Nun hat die neue Xbox-Chefin Asha Sharma bei einem internen Town Hall Meeting darüber gesprochen, wie es mit Xbox weitergehen soll. Series X und S spielen wieder eine deutlich größere Rolle. Mehr noch: Xbox habe gar nicht das Recht, über die Konsole hinaus wachsen zu wollen, solange man seine „wertvollsten Spieler“ nicht vernünftig bediene. Das klingt sinnvoll. Vor allem klingt es nach einer Erkenntnis, die Microsoft mit erstaunlicher Verspätung erreicht. Dass Xbox seine eigene Basis aus den Augen verloren hat, wird schließlich seit Jahren in Foren, Kommentaren und Artikeln diskutiert. Nur in Redmond scheint davon lange niemand etwas mitbekommen zu haben.
Neu ist weniger die Rückbesinnung auf die Konsole als die Offenheit, mit der Sharma über den bisherigen Kurs spricht. Anfang des Jahres seien Spielerzahlen, Spielzeit und Umsatz zurückgegangen, die bisherige Game-Pass-Strategie habe die Bilanz sogar in den „freien Fall“ geschickt. Inzwischen habe sich zumindest die Spielzeit stabilisiert und das First-Party-Geschäft wachse wieder.
Das erklärt auch einige Entscheidungen der vergangenen Monate besser. Neue Call-of-Duty-Teile erscheinen künftig nicht mehr zum Start im Game Pass, gleichzeitig wurde der Dienst deutlich billiger. Microsoft investiert wieder stärker in Series X und S und bringt erneut exklusive Inhalte. Das wirkt im Rückblick weniger wie eine spontane Rückkehr zu alten Xbox-Tugenden als wie die ziemlich pragmatische Reaktion auf eine Strategie, die offenbar nicht die gewünschten Ergebnisse geliefert hat.
Ganz zu den guten alten Zeiten kehrt Sharma trotzdem nicht zurück. Zwar will Microsoft wieder stärker in Series X und S investieren, als Beispiele nennt sie aber ausgerechnet Cloud Gaming, Play Anywhere und das neue Disc-to-Digital-Programm. Der stärkere Fokus auf die Konsole bedeutet also nicht, dass Microsoft Xbox wieder auf ein einzelnes Gerät reduzieren möchte. Die Konsole soll lediglich eine wichtigere Rolle in einem Ökosystem spielen, das weiterhin diverse Geräte und Plattformen umfasst.
Kurz: Microsoft hat mit reichlicher Verspätung erkannt, dass sich ein Ökosystem schlecht immer weiter ausdehnen lässt, wenn gleichzeitig sein Fundament bröckelt. Reichweite allein hilft wenig, wenn die eigene Fanbase irgendwann keinen Grund mehr sieht, überhaupt noch eine Xbox zu kaufen.
Spätestens bei der nächsten Generation wird deshalb deutlich, dass von einer klassischen Kehrtwende keine Rede sein kann. Helix soll ausdrücklich keine einzelne Konsole werden, sondern eine ganze Gerätefamilie. Eine klassische Xbox steht weiterhin an erster Stelle, daneben spricht Sharma aber über mobiles Spielen und Hardware von Partnern. Es gebe eben nicht das eine Gerät, das für jeden passe.
Und über allem schwebt weiterhin ein Ziel, das mit einem klassischen Konsolengeschäft ohnehin nicht zu erreichen wäre: eine Milliarde täglich aktive Nutzer. Microsoft will Battle.net ausbauen, weiter auf Steam setzen, auf dem PC wachsen und die technischen Hürden senken, damit Entwickler ihre Spiele leichter für Series X und S, Helix und PC veröffentlichen können. „Xbox überall“ ist also keineswegs tot. Microsoft versucht nur, dem Ganzen wieder ein Zentrum zu geben.
Sharma fasst den neuen Kurs mit vier Begriffen zusammen: Core, Content, Creation und Connection. Blablabla. Int