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Charlotte Gainsbourg: Von Kanye West hört sie weiterhin alles
Charlotte Gainsbourg in Busan: Textnachrichten mit Lars von Trier
Vielleicht ist es ein familiärer Einfluss, dass Charlotte Gainsbourg, 55, ein Faible für Künstler hat, die mit provozierenden Aussagen und Aktionen auffallen. Schließlich war ihr Vater, der große französische Songwriter und Tunichtgut Serge Gainsbourg, dafür berüchtigt: Vom Stöhn-Klassiker »Je t'aime ... moi non plus« mit Charlottes Mutter Jane Birkin über die Marseillaise als Reggae, live im Fernsehen verbranntes Geld und obszöne Bemerkungen über Whitney Houston, bis hin zum Inzestsong mit Tochter Charlotte, »Lemon Incest«.
Als Charlotte Gainsbourg nun beim Filmfestival im südkoreanischen Busan zu Gast war, präsentierte sie »Melancholia«, einen Film von Lars von Trier, in dem sie vor 15 Jahren mitspielte. Sie hatte »Melancholia« selbst ausgesucht unter den vier Arbeiten, die sie zusammen mit von Trier gemacht hatte. »Ich wollte ihn einfach mal wieder sehen«, begründete die Schauspielerin ihre Wahl einem Bericht des US-Branchenmagazins »Variety« zufolge.
Bevor der Film gezeigt wurde, stand Gainsbourg aber dem Publikum noch Rede und Antwort. Unter anderem wurde sie gefragt, wen sie nennen würde, wenn sie einen Künstler empfehlen dürfte. Sie antwortete zwar, sie sei nicht gut darin, Empfehlungen zu geben. Aber es gebe da jemanden, »einen sehr kontroversen Künstler, von dem ich mir alles anhöre, was er macht: Kanye West«.
Der US-Rapper und Musikproduzent Kanye West ist bekanntlich durch eine Vielzahl von provokanten Aussagen und Aktionen aufgefallen, sei es durch öffentliche Demütigung von Taylor Swift, die Bezeichnung von Sklaverei als »Entscheidung«, seine Begeisterung für Hitler oder die Nazis – und vor allem seine mehrfachen antisemitischen Äußerungen samt Holocaustleugnung. Zuletzt bat Ye, wie sich der Musiker heute nennt, dafür um Entschuldigung und verwies auf gesundheitliche Probleme. Trotzdem wurden mehrere Konzerte, unter anderem in Großbritannien, Italien und Russland, in diesem Jahr abgesagt. Andere fanden statt, in den Niederlanden und Albanien etwa; bei Auftritten in Chicago kamen zahlreiche Gaststars auf die Bühne, es gab eine öffentliche Versöhnung mit seinem ehemaligen Weggefährten Kid Cudi.
Auch Lars von Trier sorgte schon für Aufsehen, insbesondere bei Pressekonferenzen in Cannes: 2009 bezeichnete er sich als den »besten Filmregisseur der Welt« und 2011 behauptete er, er könne sich ein bisschen in Adolf Hitler einfühlen. Der dänische Regisseur erklärte zwar später, er sympathisiere nicht mit Hitler: »Ich mag ein Schwein sein, aber ein Nazi bin ich nicht.« Aber der Eklat war da und überschattete die Premiere von »Melancholia«.
Vor der »Melancholia«-Vorführung in Busan bezeichnete Charlotte Gainsbourg Lars von Trier als »Freund«. Sie kenne ihn nicht gut, aber man tausche Textnachrichten aus. »Als menschliches Wesen ist er sehr gequält«, sagte Gainsbourg über von Trier: »Das berührt mich. Und in seinen Filmen gibt er viel von sich preis. Er ist extrem verletzlich.« Sie habe sonst nirgends so viel über sich selbst, über den Film und über Schauspielerei gelernt wie in der Arbeit mit Lars von Trier.
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Neben dem Kino gilt Charlotte Gainsbourgs künstlerische Leidenschaft aber auch der Musik. Sie sei gerade in den letzten Zügen für ein neues Album, an dem sie schon seit Jahren arbeitet. Wenn es soweit ist, will sie selbst Musikvideos dazu drehen – wie auch schon bei ihrem vorigen Album »Rest« von 2017.