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Arktisches Meereis bleibt auch nach kühlem Sommer auf niedrigem Niveau
Selbst ein ungewöhnlich kühler und stürmischer Sommer hat das arktische Meereis nicht auf frühere Werte zurückgebracht. Am 12. September 2026 ermittelten Satelliten ein Minimum von 4,60 Millionen Quadratkilometern. Das ist der geteilte zehntniedrigste Wert der Messreihe. Zugleich zeigen Langzeitdaten, wie stark besonders das langlebige, dicke Eis zurückgegangen ist.
Boulder (U.S.A.). Im Winter breitet sich das Meereis über den Arktischen Ozean aus, im Sommer zieht es sich wieder zurück. Wie groß seine Ausdehnung im September ausfällt, hängt auch von Bewölkung, Wind und Temperaturen ab. Doch Satelliten zeigen seit fast fünf Jahrzehnten, dass die Eisdecke insgesamt auf ein deutlich niedrigeres Niveau geschrumpft ist.
Forscher des National Snow and Ice Data Center (NSIDC) in Boulder haben die diesjährige Schmelzperiode nun in die fortlaufende Satellitenreihe eingeordnet. Ergänzend zeigen neu zusammengestellte Karten der National Aeronautics and Space Administration (NASA), wie sich die Eisdecke zwischen sommerlichen Minima und winterlichen Maxima seit 1990 verändert hat.
Am 12. September 2026 erfassten die Satelliten noch 4,60 Millionen Quadratkilometer Meereisausdehnung. Damit teilt sich dieses Jahr mit 2008, 2010 und 2025 den zehntniedrigsten Rang seit Beginn kontinuierlicher Messungen 1978. Alle 20 Sommer von 2007 bis 2026 gehören zu den 20 niedrigsten Sommerminima der gesamten Satellitenreihe.
„Das diesjährige Minimum ist ein weiterer niedriger Wert in einer veränderten Arktis. Während es zu den Werten der letzten Jahre passt, liegt es weit unter allem, was wir in den 1980er-, 1990er- und frühen 2000er-Jahren gesehen haben“, sagt Walt Meier vom NSIDC.
Auch der Monatsdurchschnitt bleibt auffällig niedrig. Für September 2026 ergibt die Auswertung eine Meereisausdehnung von 4,81 Millionen Quadratkilometern, rund 1,6 Millionen Quadratkilometer unter dem Mittel von 1981 bis 2010. Das Monatsmittel liegt auf Rang 13 und ist deshalb nicht mit dem zehntniedrigsten Tagesminimum zu verwechseln. Über die gesamte Messreihe beträgt der lineare September-Rückgang 11,6 Prozent pro Jahrzehnt.
Im Sommer 2026 herrschten über weiten Teilen des Arktischen Ozeans vergleichsweise kühle, wolkige und stürmische Bedingungen. Tiefdruckgebiete bremsten den Eisverlust zeitweise, während zyklonale Winde die verbliebenen Schollen vielerorts auseinandertrieben. Auf der atlantischen Seite reichte ein lockeres Eisfeld deshalb fast bis zum Nordpol, obwohl die sommerliche Ausdehnung gegenüber den letzten Jahren nicht ungewöhnlich niedrig ausfiel.
„Es war ein seltsames Jahr. Gemessen an der Ausdehnung war es nur das zehntniedrigste Minimum, aber trotz des recht kühlen Sommers über dem Arktischen Ozean gab es lockeres Eis bis zum Nordpol“, erklärt Mark Serreze, Leiter des NSIDC.
Die gemeldeten Quadratkilometer bezeichnen dabei die Meereisausdehnung und nicht eine vollständig geschlossene Eisfläche. Bei der Berechnung zählt ein Messfeld bereits dann als eisbedeckt, wenn mindestens 15 Prozent seiner Oberfläche Eis tragen. Die Satelliten messen dazu Mikrowellenstrahlung, die Wolken durchdringen kann. So lässt sich die Arktis auch bei dichter Bewölkung und in der Polarnacht regelmäßig beobachten.
Die Ausdehnung allein beschreibt den Wandel nicht vollständig. Während der 1980er-Jahre überdauerte mehrjähriges Eis im Spätsommer noch auf rund 3,5 Millionen Quadratkilometern, seit 2007 schwankte dessen Ausdehnung meist nur zwischen 1,3 und 1,9 Millionen Quadratkilometern. Von dem besonders langlebigen Eis, das älter als vier Jahre ist, blieben seit 2012 jährlich höchstens rund 250.000 Quadratkilometer übrig. Vor 2005 waren es etwa 1,5 Millionen Quadratkilometer.