// SCINEXX — SPAZIO & SCIENZA
Sentinel-3C: Erdbeobachtungssatellit liefert erste Bilder
Zerklüftete Inseln, dunkles Wasser und einzelne Eisschollen prägen eine neue Aufnahme der kanadischen Arktis. Das Bild stammt vom europäischen Erdbeobachtungssatelliten Sentinel-3C, der erst Mitte September gestartet ist. Erste Radarhöhenmessungen über Grönland zeigen ebenfalls, dass wichtige Instrumente funktionieren. Für den regulären Messbetrieb sind jedoch weitere Tests nötig.
Paris (Frankreich). Gegen Ende des arktischen Sommers liegen zwischen den Inseln Nordkanadas ausgedehnte Wasserflächen, während Schnee, Landeis und einzelne Meereisschollen die Landschaft prägen. Im September erreicht das Meereis gewöhnlich seine geringste Ausdehnung. Danach beginnt es mit sinkenden Temperaturen wieder zuzunehmen.
Die Verteilung von Eis und offenem Wasser ist für die Klimaforschung bedeutsam, weil sich helle Eisflächen und dunkles Meer unterschiedlich stark erwärmen. Wie das Zusammenspiel von Eis, Ozean und Atmosphäre funktioniert, lässt sich jedoch nicht anhand eines einzelnen Fotos erfassen. Dafür sind wiederholte Beobachtungen mit verschiedenen Messverfahren nötig.
Genau dafür soll der neue europäische Erdbeobachtungssatellit Sentinel-3C zusätzliche Daten liefern. Die Europäische Weltraumorganisation (ESA) hat nun erste Bilder und Messungen veröffentlicht, die sie als frühen Funktionstest zweier wichtiger Instrumente wertet. Der Satellit ist noch nicht im regulären Betrieb.
Eine am 30. September 2026 aufgenommene Echtfarbenansicht zeigt einen Teil des Kanadisch-Arktischen Archipels westlich von Grönland. Die Inseln sind großflächig von Schnee und Eis bedeckt. Zwischen zerklüfteten Küsten, Fjorden und freiliegenden Felsformationen liegen dunkle Meeresflächen, auf denen vereinzelte zerbrochene Eisschollen treiben.
Die Aufnahme stammt vom Ozean- und Landfarbeninstrument (OLCI). Es registriert das von der Erdoberfläche reflektierte Sonnenlicht in 21 Spektralbereichen und erreicht dabei eine räumliche Auflösung von rund 300 Metern. Die Daten machen Oberflächenunterschiede sichtbar und können später unter anderem bei der Untersuchung von Vegetation, Gewässern und Eisgebieten helfen.
Zu den ersten optischen Bildern des Satelliten gehören außerdem eine Aufnahme Italiens vom 30. September und eine Ansicht von Kuba und den Bahamas vom 29. September. Die unterschiedlich gefärbten Wasserflächen und Landschaften zeigen, welche Bandbreite das Instrument künftig beobachten soll.
Parallel zur Kamera hat das Radaraltimeter mit synthetischer Apertur erste Höhenmessungen geliefert. Zwischen dem 30. September und dem 4. Oktober hat Sentinel-3C die Oberfläche des grönländischen Eisschilds entlang mehrerer Flugbahnen vermessen. Laut ESA stimmen diese frühen Messspuren eng mit einem digitalen Referenzhöhenmodell überein.
Das ist ein erster Hinweis darauf, dass das Radaraltimeter wie vorgesehen arbeitet. Eine Aussage über einen aktuellen Höhenverlust des Eisschilds ist damit noch nicht verbunden. Dafür müssten vergleichbare Messungen über einen längeren Zeitraum vorliegen, um Veränderungen von der Form der Eisoberfläche und möglichen Messabweichungen zu trennen.
Über dem Atlantik und dem Mittelmeer hat das Instrument außerdem die Höhe der Meeresoberfläche gemessen. Ein Abgleich mit bestehenden Copernicus-Daten zeigt nach Angaben der ESA eine gute Übereinstimmung. Solche Messungen sollen später unter anderem die langfristige Beobachtung des Meeresspiegels ergänzen.