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Gentherapie hat einigen Erblindeten Seheindrücke zurückgegeben
Menschen mit fortgeschrittener Retinitis pigmentosa können oft selbst einfache Gegenstände kaum noch wahrnehmen. In einer frühen klinischen Studie reagierten nach einer experimentellen Gentherapie sechs von zehn Patienten deutlich empfindlicher auf Licht. Vier von acht Teilnehmern mit Verhaltenstests bewältigten zudem einige Sehaufgaben besser, allerdings nur mithilfe einer speziellen Brille.
Basel (Schweiz). Bei der erblichen Netzhauterkrankung Retinitis pigmentosa sterben die lichtempfindlichen Sinneszellen im Auge nach und nach ab. Zunächst verschlechtert sich häufig das Sehen bei Dunkelheit, später können Gesichtsfeld und Sehvermögen so stark eingeschränkt sein, dass Betroffene erblinden. Die geschädigten Lichtsinneszellen lassen sich in diesem fortgeschrittenen Stadium bislang nicht einfach ersetzen.
Mehr als 100 unterschiedliche Gene können an der Erkrankung beteiligt sein. Dadurch eignen sich Gentherapien, die einen bestimmten Gendefekt korrigieren sollen, nur für einen Teil der Patienten. Ein anderer Ansatz setzt deshalb bei Nervenzellen an, die selbst dann noch vorhanden sein können, wenn die eigentlichen Lichtsinneszellen bereits zugrunde gegangen sind.
Forscher der University of Pittsburgh um Prof. José-Alain Sahel haben diesen Ansatz gemeinsam mit internationalen Kollegen nun bei zehn Menschen mit weit fortgeschrittener Retinitis pigmentosa untersucht. Die offene PIONEER-Studie sollte in erster Linie die Sicherheit der Behandlung prüfen. Die Verbesserungen des Sehvermögens wurden als zusätzliche, noch vorläufige Ergebnisse erfasst.
„Retinitis pigmentosa kann durch eine Mutation in einem von mehr als 100 verschiedenen Genen entstehen und stellt uns deshalb vor eine außergewöhnliche Herausforderung“, erklärt Prof. José-Alain Sahel.
Für die Behandlung injizierten die Forscher einen adeno-assoziierten Virusvektor (AAV) einmalig in das jeweils schlechter sehende Auge. Dieser transportiert die Bauanleitung für das lichtempfindliche Protein ChrimsonR in verbliebene Ganglienzellen der Netzhaut. Die Nervenzellen, die normalerweise Signale zum Gehirn weiterleiten, können dadurch selbst auf bestimmte Lichtreize reagieren.
Eine Spezialbrille macht diese neue Eigenschaft nutzbar. Ihre Kamera erfasst die Umgebung, ein Prozessor wandelt Bildänderungen in Muster um und ein Projektor sendet entsprechende bernsteinfarbene Lichtimpulse in das behandelte Auge. Das System ersetzt damit nicht das normale Sehen, sondern liefert den umfunktionierten Nervenzellen einfache visuelle Signale.
Die Sicherheitsprüfung erfasste insgesamt 34 unerwünschte Ereignisse am Auge bei neun der zehn Teilnehmer. Davon waren 23 leicht und zehn mittelschwer. Ein schweres Ereignis war eine vorübergehende Blockade einer zentralen Netzhautarterie unmittelbar nach der Injektion. Nach einer Behandlung löste sich diese Durchblutungsstörung innerhalb weniger Minuten wieder.
Mit der lichtstimulierenden Brille nahm die gemessene Lichtempfindlichkeit bei sieben der zehn Behandelten zu. Die Verbesserungen reichten etwa vom Zweifachen bis zum 62,3-Fachen. Bei sechs Patienten lag die Zunahme mindestens bei einem Faktor von ungefähr vier und erfüllte damit die in der Auswertung verwendete Grenze für eine klinisch bedeutsame Veränderung. Diese Grenze war allerdings nicht bereits im Studienprotokoll festgelegt worden.
Acht Teilnehmer absolvierten zusätzlich Tests zur praktischen Sehfunktion. Vier von ihnen zeigten über mehrere Aufgaben hinweg konsistente Fortschritte, etwa beim Erkennen und Orten von Objekten oder beim Erfassen einfacher Linien. Einige konnten auch eine Türöffnung finden oder gezielt nach einem Gegenstand greifen. Die Leistungen unterschieden sich jedoch erheblich zwischen den einzelnen Patienten.