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Nobelpreisträgerin Pillay: Unerschrockene Kämpferin für das Recht
Navanethem Pillay ist während der Apartheid in Südafrika aufgewachsen. Ihr Leben widmete die Juristin später dem Kampf gegen Gewalt und Unrecht. Nun ist sie für ihr Engagement mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden.
Als die Nachricht bekannt wird, brandet spontaner Applaus auf. Und dann sogar kurzer Jubel, als die neue Friedensnobelpreisträgerin den Saal im Nürnberger Justizpalast betritt.
Genau hier, bei einer Fachtagung der Internationalen Akademie Nürnberger Prinzipien, erfährt Navanethem - genannt "Navi" - Pillay von ihrer Auszeichnung. "Stimmt das wirklich?", fragt sie ungläubig und fügt hinzu: "Wenn ihr noch ein bisschen weiter klatscht, teile ich den Preis vielleicht mit Trump."
Der Ort könnte passender kaum sein. Schließlich widmet sich die 2014 gegründete Nürnberger Stiftung der Förderung des Völkerstrafrechts und der damit verbundenen Menschenrechte. Der Applaus bedeute ihr sehr viel, sagt Pillay. "Wissen Sie, man will keinen Preis, keine Auszeichnung oder sonst etwas erhalten, wenn die Öffentlichkeit nicht der Meinung ist, dass man es verdient hat", erklärt sie. "Aber als Anwältin und Richterin möchte ich die Information zunächst dennoch überprüfen."
1941 wird Navi Pillay in einem Vorort der Hafenstadt Durban geboren. Als Tochter eines Busfahrers und einer Hausfrau mit indischen Wurzeln wächst sie im südafrikanischen Apartheidstaat auf und erlebt früh, wie Menschen wegen ihrer Hautfarbe systematisch benachteiligt und diskriminiert werden.
Gegen alle Widerstände studiert sie Jura, macht ihren Abschluss und eröffnet 1967 ihre eigene Kanzlei. Pillay verteidigt politische Häftlinge und setzt sich für Menschen ein, die wegen ihres Widerstands gegen das rassistische Regime verfolgt und inhaftiert werden. Nach dem Ende der Apartheid schreibt sie an der demokratischen Verfassung des neuen Südafrikas mit und wird als erste nichtweiße Richterin an den High Court des Landes berufen.
Dann wechselt sie ins Ausland. Pillay leitet das Tribunal zur Aufklärung des Völkermords in Ruanda und wird später UN-Hochkommissarin für Menschenrechte. So offen wie furchtlos kritisiert sie Folter, Diskriminierung und Kriegsverbrechen.
Immer wieder nimmt sie Staaten ins Visier, die Menschenrechte einschränken oder mit Füßen treten. Zuletzt leitete die einflussreiche Juristin die UN-Untersuchungskommission zum Krieg im Gazastreifen.
Der Bericht sorgte weltweit für Aufsehen. Aus Israel kam scharfe Kritik. Pillay wird Einseitigkeit vorgeworfen - und dass sie israelischen Sicherheitsinteressen zu wenig Gewicht beigemessen habe.
Die frisch ausgezeichnete Friedensnobelpreisträgerin weist das entschieden zurück. "Man legt das Recht aus, man betrachtet alle Fakten und dann trifft man eine unparteiische Entscheidung", sagt sie.