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Wahlkampf per Fahrrad: Können Serbiens Studenten Vucic besiegen?
Vor zwei Jahren begannen die Studentenproteste gegen Serbiens Regierung unter Vucic - und für Neuwahlen. Jetzt, da es Ende des Monats tatsächlich Wahlen geben wird, haben die Studierenden eine echte Chance.
Die 22-jährige Marija zieht ihre Regenjacke über und steigt auf ihr Rad. Heute wird sie an ihre Grenzen kommen, doch das weiß sie jetzt noch nicht. Seit Tagen ist die Medizinstudentin mit anderen Studierenden unterwegs.
Als Kollektiv treten sie bei der Wahl gegen Aleksandar Vucic an, der erst Ende September als Präsident Serbiens zurückgetreten war und vorgezogene Neuwahlen angesetzt hatte. Der Wahlkampf der Studierenden: Fahrradtouren durchs Land.
Bei der anstehenden, verregneten Etappe geht es durch eine ländliche Region südwestlich von Belgrad. Es ist eine konservativ geprägte Region, in der bislang viele Menschen Vucic unterstützten. Der Ort Osecina ist das erste Ziel: "Wir hoffen, dass wir die Menschen dort erreichen und ihnen erklären können, was im Land wirklich los ist", sagt Marija.
Marija ist eine von vielen Studierenden, die auf dem Rad Wahlkampf für eine neue Politik in Serbien machen.
Alles begann vor zwei Jahren, als in Novi Sad ein Bahnhofsvordach einbrach. 16 Menschen starben. Die nachfolgenden Proteste waren der Startschuss für die Studentenbewegung, die nun auf Listenplatz drei zur Wahl antritt. Das Unglück von Novi Sad sei die Folge von Korruption und Machtmissbrauch im System Vucic, kritisieren sie.
Die Studierenden wollen einen Neustart: bessere Bildung, Rechtsstaatlichkeit und eine klare EU-Perspektive - die durch die autokratischen Tendenzen Vucics, seine Haltung gegenüber Russland und den Umgang mit den Protesten nicht besser geworden ist. Den Studierenden schwebt eine Art Expertenregierung vor. Entsprechend sind etliche Listenplätze mit Professoren oder Wissenschaftlern besetzt.
Denn anders als in Ungarn, wo Peter Magyar sein Bündnis zum Sieg gegen den damaligen Ministerpräsidenten Viktor Orban führte, fehlt Serbiens Studentenbewegung eine charismatische Führungsfigur. Doch das ist ganz in ihrem Sinne.
Die harte Reaktion von Serbiens Regierung auf die Proteste im Land scheint den Demos weiter Zulauf zu geben.
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Dieser scheinbare Widerspruch lässt sich gut am Fall des Professors Vladan Dokic erklären, der als Rektor der Uni Belgrad die Studentenproteste unterstützte. Nach einem tragischen Todesfall an der Uni stürmten serbische Polizeieinheiten sein Büro - woraufhin Dokic vom Balkon der Universität eine emotionale Rede hielt.