// TAGESSCHAU WIRTSCHAFT — FINANZA
Nostalgie und Nachhaltigkeit: Ein zweites Leben für die Vespa
Zu laut, zu schmutzig: Italien verbannt alte Motorroller zunehmend aus den Innenstädten. Was tun, wenn die Vespa zum Garagenhüter wird? Dank Umbau-Kits werden die geliebten Originale zum E-Roller.
"Con Vespa si può" - "Mit der Vespa geht alles". Diesen legendären Werbeslogan des Motorroller-Herstellers Piaggio aus den Sechzigerjahren haben viele Italiener noch heute im Ohr. Die Vespa stand damals sinnbildlich für das italienische Lebensgefühl. Sie machte die Jugend mobil, versprach Freiheit und Flexibilität.
Die Zeiten haben sich geändert. Längst geht mit der Vespa nicht mehr alles - zumindest, wenn es sich um einen Zweitakter älteren Modells handelt. Italiens Städte verschärfen seit Jahren die Regeln für ihre verkehrsbeschränkten Zonen, auch bekannt als ZTL: Zone a Traffico Limitato.
Die Vorschriften sind von Stadt zu Stadt unterschiedlich, doch der Trend ist eindeutig: Ältere Fahrzeuge verlieren ihren Platz in den Innenstädten. Entscheidend ist nicht nur das Baujahr, sondern vor allem die Schadstoffklasse.
Ein Kultobjekt feiert Jubiläum: die Vespa.
mehr
Sich von ihrer alten Vespa zu trennen, fällt vielen Italienern schwer - so auch Enrico Boldrini. Für den Friseur und DJ ist seine hellblaue Vespa von 1973 weit mehr als ein Fahrzeug: "Mein Großvater hat sie mir vererbt. Sie hat für mich einen großen emotionalen Wert."
Auch ihn bremsten die verschärften Umweltbeschränkungen aus, der Roller war im Alltag nicht mehr nützlich: "Irgendwann stand die Vespa nur noch in der Garage rum." Auf einer Motorradmesse fand Boldrini die Lösung: beim Start-up Retrokit aus Rimini, das alten Vespas ein elektrisches Herz - und damit ein zweites Leben - verpasst.
Die Herangehensweise ist simpel. Der alte Motor wird entnommen und durch einen Elektromotor ersetzt. Die Karosserie und andere originale Bestandteile bleiben erhalten. Wer handwerklich geschickt ist, könne sich ein Kit mit E-Motor nach Hause bestellen und ihn selbst installieren, sagt Start-up-Gründer Alex Leardini. "Man kann ihn anhand unserer Anleitung selbst zusammenbauen, wie bei Ikea-Möbeln."
Auf Italiens Straßen fahren über fünfmal weniger E-Autos als in Deutschland. Woran liegt das?
mehr
Retrokit bietet auch Einbauten in der eigenen Werkstatt oder bei Vertriebspartnern an - unter anderem in Deutschland. Das Start-up ist in den vergangenen zwei Jahren stark gewachsen. Mittlerweile verkauft es seine E-Motoren in ganz Europa, derzeit laufen Verhandlungen mit einem möglichen Vertriebspartner in den USA.