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Robert Hall und Michael Woodford erhalten den Nobel-Gedenkpreis für Wirtschaft
In den 1970er Jahren schwand das Vertrauen in die Stabilisierungspolitik. Die beiden Preisträger haben neue Modelle entwickelt, die heute eingesetzt werden.
Wirtschaftspreisträger Robert E. Hall (links) und Michael Woodford
Die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften zeichnet in diesem Jahr die beiden US-Wirtschaftswissenschaftler Robert E. Hall und Michael Woodford mit dem Alfred-Nobel-Gedächtnispreis für Wirtschaftswissenschaften aus. Sie haben makroökonomische Modelle entwickelt, die eine wirksame Stabilisierung bei Konjunkturschwankungen ermöglichten.
"Die Arbeit der Preisträger hat uns eine solide theoretische Grundlage für die Modelle geliefert, die heute von Zentralbanken und Regierungen überall auf der Welt genutzt werden. Damit sind wir besser gerüstet, um mit Schocks in der Wirtschaft umzugehen, etwa Energiekrisen oder plötzlichen Veränderungen im Konsumverhalten der Haushalte", sagt John Hassler, Vorsitzender des Komitees für den Preis für Wirtschaftswissenschaften.
Die Konjunktur verläuft in Zyklen von Ab- und Aufschwüngen. Um diese Schwankungen zu bewältigen, hat der Ökonom John Maynard Keynes seine Theorie zur Stabilisierungspolitik entwickelt: In einer Rezession wird die Wirtschaft durch staatliche Maßnahmen wie Zinssenkungen angekurbelt. In einer Hochphase sollen Gegenmaßnahmen wie hohe Zinsen den Boom dämpfen.
In den Ölkrisen der 1970er Jahre schien es jedoch, als funktioniere die keynesianischen Modelle nicht mehr. Statt die Arbeitslosigkeit zu senken, führten die zu einer unkontrollierten Inflation. Die Folge war ein Jahrzehnt mit geringem Wachstum, hoher Arbeitslosigkeit und hoher Inflation. Das Vertrauen in die Stabilisierungspolitik ging verloren.
Hall und Woodford habe neue Wirtschaftsmodelle entwickelt, um die Stabilisierungspolitik wiederzubeleben. Sie stützen sich dabei nicht auf statistische Zusammenhänge zwischen makroökonomischen Variablen wie Inflation, Produktion und Konsum, sondern bauen auf einer mikroökonomischen Grundlage auf.
Ein zentraler Bestandteil dieser Modelle sei, dass Haushalte und Unternehmen bei Entscheidungen über Ersparnisse oder Produktpreise vorausschauend handelten, schreibt die Akademie in einer Mitteilung. "Wenn Regierungen und Zentralbanken ihre Pläne für die Wirtschaftspolitik vorstellen, können sie diese Zukunftsaussichten beeinflussen und die Wirtschaft in die richtige Richtung lenken. Seit ihrer Einführung haben die neuen Modelle sich als äußerst hilfreich erwiesen bei der Bewältigung der Konjunkturabschwünge, die uns betreffen."
Robert Ernest Hall wurde am 13. August 1943 Palo Alto im US-Bundesstaat Kalifornien geboren,. Er lehrt seit 1978 an der Stanford University. Der 1955 in Chicopee, Massachusetts, geborene Michael Dean Woodford hat seit 2004 einen Lehrstuhl an der Columbia inne.
Der Wirtschaftspreis ist wie die Nobelpreise ist mit einem Preisgeld von zwölf Millionen schwedische Kronen dotiert, umgerechnet etwa eine Million Euro. Anlässlich des 125-jährigen Bestehens des Nobelpreises wurde das Preisgeld in diesem Jahr angehoben.