// EUROGAMER.DE — GAMING
Valor Mortis im Test: Das Ego-Soulslike spielt sich klasse, ist inhaltlich aber enttäuschend dünn
Die Ghostrunner-Macher übertragen die bekannte Formel auf eine mythisch überhöhte Napoleon-Legende, schöpfen das erzählerische Potential aber nicht aus.
Ich könnte jetzt beschreiben, wie cool es ist, dass man gelegentlich Napoleons Stimme hört, während man ein vom Krieg verwüstetes Land erkundet, wo eine merkwürdige Seuche die Menschen und Tiere in mutierte, aggressive Kreaturen verwandelt hat. Gesprochen wird der bekannte Feldherr nämlich von Vincent Cassel (Irreversible, Black Swan, Westworld – ihr alle kennt sein Gesicht, die wenigsten aber seinen Namen) und wenn ein Studio sich bekannte Prominenz an Bord holt, dann hat es erzählerisch immerhin einiges vor.
Da ist also eine Menge Fantasy im Spiel, gemischt mit einem nicht unberührten, aber doch frischen und atmosphärisch dichten Szenario, das Entwickler One More Level auf technisch überzeugende Art zum Leben erweckt. Besonders die mitunter ausgesprochen dichten Nebel- und Rauchschwaden haben es mir angetan. Ich wüsste nicht, wann ich das schon mal in dieser Form gesehen habe.
Mit schrägen Brettern verbarrikadierte Holzhütten, aus großen Steinen gebaute Mauern, eine alte Kirche – und das alles im orangefarbenen Sonnenuntergang oder unter fahlem Mondlicht: Valor Mortis ist ein atmosphärischer Ausflug in eine Zeit, die es in dieser Form freilich nie gegeben hat.
Von der man allerdings auch viel zu wenig erfährt, als dass sie über das Äußerliche hinaus interessant sein könnte. Weder erzählt die Umgebung viel von ihrer Geschichte noch erfährt man über hinterlassene Notizen, die kurzen Nebenquests oder gar den an manchen Orten aus dem Off sprechenden Napoleon in einer Art davon, die den Schauplatz für mich interessant gemacht hätte.
Der bleibt zu oberflächlich, um mich so richtig in seinen Bann zu ziehen. Schade! Wenn ihr mich fragt, verpasst One More Level damit die Chance, sich nach Ghostrunner nicht nur spielerisch zu verändern, sondern auch erzählerisch zu entwickeln.
Worum es bei alldem überhaupt geht? Als William genannter Soldat erwacht man zu neuem Leben, nachdem das Alter Ego in einer Schlacht gefallen ist. Was genau geschehen ist, weiß William allerdings nicht. Es gilt also, der Ursache des grausigen Wahnsinns auf die Spur zu kommen und sich dabei natürlich etlichen Mutierten zu stellen. Praktisch deshalb, dass William von einem Toten die Fähigkeit erhält, seinen linken Arm Feuer als Flammenwerfer zu benutzen.
In der gleichen Hand kann er aber auch eine Pistole halten, während er in der rechten stets eine Klingenwaffe trägt. Denn so wichtig das Schießen auf Schwachstellen und das Ankokeln von Gegnern ist, so sehr steht der Nahkampf hier im Vordergrund. Denn Ego-Perspektive muss nicht Shooter sein. Valor Mortis spielt sich vielmehr wie die meisten Soulslikes: Man attackiert, pariert, weicht aus und nutzt vor allem die darüber eröffneten Konter. Ja, man kann einzelne Gegner sogar im Blick fixieren, sodass man die Kamera nicht manuell drehen muss.
Und das alles funktioniert hervorragend! Das Kampfsystem ist nicht wahnsinnig komplex – muss es ja ohnehin nicht sein. Wobei man auch hier Williams Ausdauer im Blick behalten sollte, während man die für den Einsatz des Feuers notwendige Energie durch das Attackieren von Schwachstellen erhält und verlorene Lebenskraft durch verschiedene Taktiken wiederherstellen kann. Taktisch interessant ist das Zusammenspiel verschiedener Elemente beziehungsweise die Art, mit der man sich solche Synergien zunutze macht.
Wer Roguelikes kennt, kennt auf jeden Fall auch Valor Mortis. Beim Tod verlorene Erfahrungspunkte sollte man aufsammeln gehen, die Anzahl der Heilkapseln ist begrenzt, kann im Verlauf des Abenteuers aber erhöht werden, und gespeichert wird an Leuchtfe... an Lampen, die alle paar hundert Meter aufgestellt sind und nicht zuletzt als Schnellreisepunkte dienen. Hat man zwischen zwei Lampen einen kniffligen Abschnitt hinter sich gebracht, öffnet man zudem verriegelte Türen oder lässt eine Leiter herunter, um später nicht die