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Linus Torvalds wandert durch 35 Jahre Linux
Beim Open Source Summit Europe in Prag zählte auch Linus Torvalds zu den Keynote-Gästen. Im Gespräch mit seinem langjährigen Weggefährten Dirk Hohndel blickt Torvalds auf die Anfänge von Linux zurück, das 35jähriges Jubiläum feiert, erzählt von der Entstehung von Git und erklärt, warum er künstliche Intelligenz inzwischen durchaus schätzt – zumindest, wenn man sie richtig einsetzt.
Als Linus Torvalds 1991 mit der Entwicklung von Linux begann, kannte er seinen Code noch Zeile für Zeile. Beiträge anderer Entwickler nahm er als junger Entwickler zunächst lieber als Anregung, um den Code anschließend selbst neu zu schreiben. 35 Jahre später arbeitet eine weltweite Entwicklergemeinschaft am Linux-Kernel.
Am Anfang stand ein überschaubares Projekt. Die erste Linux-Version umfasste nach Torvalds’ Erinnerung etwa 10.000 Zeilen Code. Er kannte den Quellcode in- und auswendig und hatte entsprechend wenig Anlass, anderen Entwicklern das Ruder zu überlassen. „Ich war damals noch nicht wirklich darauf eingestellt, Beiträge von anderen zu übernehmen“, räumte er im Gespräch ein. Es vergingen mindestens drei oder vier Monate, bis Torvalds schließlich nachgab und begriff: „Hey, ich sollte mir zunutze machen, dass mir jemand etwas schickt, das sofort einsatzbereit ist.“ Davor habe er den Patch zwar gelesen und versuchte herauszufinden, was die Person erreichen wollte – also die Absicht dahinter zu verstehen – und schrieb den Code dann einfach komplett selbst neu. Ich glaube nicht, dass das ungewöhnlich ist, erzählte Torvalds in Prag. Er habe das später auch bei anderen Projekten gesehen.
Beim Umdenken half ihm ausgerechnet eine Eigenschaft, die er mit einem Augenzwinkern beschreibt: seine eigene Faulheit. Warum sich zusätzliche Arbeit machen, wenn jemand bereits einen fertigen Patch liefert, den man nur noch einspielen muss? Torvalds lernte, die Arbeit anderer nicht nur als Vorschlag zu betrachten, sondern als Hilfe. Damit begann auch ein Lernprozess, der für ein Projekt wie Linux entscheidend werden sollte: die Zusammenarbeit mit einer Community.
Linus Torvalds und Dirk Hohndel in Prag. Quelle: Linux-Magazin
In den ersten Jahren ließ sich das laut dem Linux-Erfinder noch recht unkompliziert organisieren. Torvalds bearbeitete den Code täglich und veröffentlichte mindestens einmal pro Woche eine neue Version. Ein Versionsverwaltungssystem gab es nicht. Patches und Tarballs, reichten zunächst aus. Aus einer kleinen Gruppe von wenigen Entwicklern wurde nach und nach eine Gemeinschaft von rund 50 Personen. Das Modell hielt sich erstaunlich lange, obwohl Linux längst gewachsen war.
Dirk Hohndel, der Torvalds seit vielen Jahren kennt und die Entwicklung des Projekts aus nächster Nähe verfolgt hat, erinnert daran, wie sich der damalige Umgang mit Quellcode von heutigen Arbeitsweisen unterscheidet. Früher konnte man sich den Code noch ausdrucken. Bei den inzwischen rund 14.000 Patches, die in den Kernel einfließen, wäre das keine besonders praktische Idee mehr. Torvalds stimmt zu: „Das würde wohl nicht mehr skalieren.“
Auch bei der Versionsverwaltung ging es nicht ohne Umwege. Torvalds hatte zunächst einfach noch nie mit einem entsprechenden System gearbeitet, gestand er. Später lernte er CVS kennen, das er beruflich einsetzte – und dabei so wenig schätzte, dass er es nach eigener Aussage vor allem darin kennenlernte, was er daran nicht mochte. Er wollte, dass Entwickler in ihren eigenen Arbeitsumgebungen arbeiten konnten, statt von einem zentralen Repository abhängig zu sein.
Erst BitKeeper überzeugte ihn davon, wie eine verteilte Versionsverwaltung aussehen könnte. Das Werkzeug erleichterte es, Änderungen aus verschiedenen Bereichen des Kernels zusammenzuführen. Dass BitKeeper proprietär war, sorgte allerdings für Widerstand in der Open-Source-Gemeinschaft. Torvalds ließ sich davon aber zunächst nicht abbringen. Für ihn zählte primär, dass das Werkzeug ein konkretes Problem löste.
Aber 2005 war dann damit Schluss. Nach einem Streit um die L