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Ehemalige Disco-Elysium-Entwickler geben Spielern fünf Prozent ihres Studios – und echtes Mitspracherecht
Summer Eternal experimentiert mit einer ungewöhnlichen Firmenstruktur, bei der auch Käufer Einfluss auf wichtige Entscheidungen nehmen können.
Bei Summer Eternal wollen ehemalige Entwickler von Disco Elysium nicht nur Spiele anders machen. Auch das Studio selbst soll anders funktionieren. Fünf Prozent des Unternehmens gehören einer Non-Profit-Organisation, über die Spieler bei wichtigen Fragen tatsächlich mitreden können.
Mitglied der Players Non-Profit kann werden, wer mindestens 18 Jahre alt ist und ein Produkt von Summer Eternal kauft. Dazu gehört auch die jetzt angekündigte Summer Eternal Anthology.
Ganz so wörtlich sollte man den vom Studio verwendeten Slogan „Every Player – member of the Board“ allerdings nicht nehmen. Käufer ziehen nicht automatisch persönlich in den Vorstand ein. Mitglieder der Players Non-Profit können stattdessen Vertreter wählen, die ihre Interessen bei den Versammlungen des Studios vertreten.
Außerdem sollen sie Abstimmungen über die Unternehmens- und Projektstrategie durchführen und eine Generalversammlung einberufen können, wenn ein Thema innerhalb der Community genügend Unterstützung findet. Hinzu kommen ein eigener Discord-Bereich, frühzeitige Entwicklungsinformationen und später unter anderem Einladungen zu Betatests von Red Rooster.
Die Players Non-Profit hält insgesamt fünf Prozent an Summer Eternal. Der Rest des Unternehmens ist nach dem bislang vorgestellten Modell ebenfalls ungewöhnlich verteilt: 50 Prozent liegen bei einer Genossenschaft der fest angestellten Kreativen, weitere 25 Prozent bei einer zweiten Struktur für andere Beschäftigte, Freelancer und Mitwirkende. Die verbleibenden 20 Prozent sind für Investoren vorgesehen.
Persönliche Dividenden sind mit der Mitgliedschaft nicht verbunden. Einnahmen der Non-Profit-Organisation sollen stattdessen wieder gemeinschaftlich verwendet werden. Summer Eternal nennt als mögliche Beispiele Veranstaltungen, die Unterstützung gewerkschaftlicher Arbeit oder unabhängige Projekte. Langfristig sollen die Mitglieder selbst darüber abstimmen können, was mit dem entsprechenden Anteil der Einnahmen aus Red Rooster geschieht.
Das Studio bezeichnet die Players Non-Profit deshalb als „Stimme der Spieler“. Dahinter steckt der Versuch, Community-Mitbestimmung nicht nur über Discord-Feedback, Umfragen oder Early Access abzuwickeln, sondern fest in der Unternehmensstruktur zu verankern.
Das Modell passt zur bisherigen Selbstdarstellung des Kollektivs. Summer Eternal wurde unter anderem von ehemaligen Disco-Elysium-Entwicklern gegründet und versteht sich ausdrücklich als von Kreativen, Mitarbeitern und Spielern getragenes Studio. Die ungewöhnliche Eigentümerstruktur basiert auf dem sogenannten FairShares-Modell, das verschiedene Interessengruppen innerhalb eines Unternehmens berücksichtigen soll.
Ob daraus tatsächlich eine bessere Form der Spieleentwicklung entsteht oder vor allem sehr viele sehr lange Versammlungen, wird sich erst noch zeigen müssen. Zumindest versucht Summer Eternal etwas, das in der Spielebranche ausgesprochen selten ist: Die Community soll nicht nur bezahlen und Feedback liefern, sondern einen festen Platz am Tisch bekommen.