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Altersvorsorgedepot: ING plant zwei Modelle
von Carsten Knobloch
15. Okt. 2026 |
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Das Thema Rente sorgt bei den meisten vermutlich eher für akutes Augenrollen als für echte Begeisterungsstürme. Zu kompliziert, zu bürokratisch und im Fall der 2002 eingeführten Riester-Rente für viele schlicht ein teures Minusgeschäft mit mickriger Rendite. Sollte damals ja alles so toll werden, aber hey "hier sind wir nun". Ab dem 1. Januar 2027 soll nun das neue Altersvorsorgedepot an den Start gehen, auf das viele sicherlich schauen - gezwungenermaßen.
Worum geht es genau? Im Grunde will der Bund den Bürgern den Weg an den Kapitalmarkt erleichtern, um die wachsende Rentenlücke abzufedern. Wer künftig bis zu 1.800 Euro im Jahr in Standardfonds oder ETFs anlegt, streicht bis zu 540 Euro an staatlicher Zulage ein. Eventuelle Kinderzuschläge kommen bei Bedarf noch oben drauf. Die Erträge bleiben während der gesamten Ansparphase steuerfrei, zugelangt wird vom Fiskus erst im Alter bei der Auszahlung.
Obwohl der Start noch auf sich warten lässt, tobt im Hintergrund bereits ein ordentlicher Preiskampf. Neobroker, Direktbanken und auch Institute wie die Deutsche Bank wetzen schon die Messer. Einige Anbieter wollen komplett auf Depotgebühren verzichten, andere locken mit Rabattaktionen zum Start.
Auch die ING bereitet ihr Angebot aktuell mit Hochdruck vor. Deutschland-Chef Lars Stoy hat dazu im Gespräch mit der Funke Mediengruppe ein paar Einblicke gegeben. Die Bank plant demnach zweigleisig zu fahren:
* Relax-Depot: Eine Art Rundum-sorglos-Paket für alle, die sich nicht täglich mit Kursen herumschlagen wollen. Hier wird das Geld automatisiert nach den persönlichen Risikovorgaben angelegt.
* Do-it-yourself-Depot: Für Sparer, die genau wissen, welche ETFs oder Fonds sie im Portfolio haben wollen, und ihre Sparpläne selbst verwalten möchten.
Ganz so easy ist die Umsetzung für die Banken allerdings nicht. Zwar hat die ING bereits eine funktionierende Depot-Infrastruktur, aber die gesamte bürokratische Logik dahinter, vor allem die direkte Anbindung an die staatlichen Schnittstellen für die Zulagenverwaltung, existierte so schlicht nicht und muss erst von Grund auf neu gebaut werden. Entsprechend kräftig investiere man aktuell in die Technik.
Stoy sieht in dem Vorhaben eine riesige Chance, mahnt laut dem Bericht aber gleichzeitig, dass ein schickes Depot alleine noch nicht reicht. Die Deutschen parken ihr Erspartes aus Sicherheitsbedürfnis nach wie vor am liebsten auf Tagesgeldkonten oder Sparbüchern, was bei Inflation langfristig Kaufkraft verbrennt.
Seine Forderung: mehr Finanzbildung an Schulen, damit Begriffe wie Zinseszins, Risiko und Aktienanlage endlich entmystifiziert werden. Zudem reiche das private Depot allein nicht aus, auch an den Baustellen der gesetzlichen und betrieblichen Rente müsse die Politik zeitnah nachbessern.
Und was ist mit alten Riester-Verträgen? Laut den gesetzlichen Plänen soll es möglich sein, bestehende Riester-Verträge förderunschädlich in das neue Altersvorsorgedepot zu übertragen. Wer also schon seit Jahren brav eingezahlt hat, verliert seine bisherigen Zulagen nicht, wenn er umzieht. Ein Zwang besteht allerdings nicht. Wer seinen alten Vertrag behalten will, beispielsweise wegen noch attraktiver Garantiezinsen aus alten Tagen, genießt Bestandsschutz.