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Hurrikan Simon hat rätselhafte Wellen in rund 90 Kilometern Höhe erzeugt
Über dem Hurrikan Simon hat ein Wettersatellit auffällige halbkreisförmige Wellen registriert, die weit oberhalb seines Wolkenwirbels sichtbar wurden. Die Aufnahme vom 11. Oktober 2026 zeigt atmosphärische Schwerewellen im schwachen Nachtleuchten der oberen Atmosphäre. Sie macht nachvollziehbar, wie mächtige Gewitter eines tropischen Wirbelsturms Luftschichten beeinflussen können, die viele Dutzend Kilometer über dem eigentlichen Wettergeschehen liegen.
Greenbelt (U.S.A.). Hurrikane können nicht nur die Meeresoberfläche und die Luft in ihrer unmittelbaren Umgebung in Bewegung versetzen. Über den hoch aufragenden Gewitterwolken breiten sich mitunter Schwingungen aus, die weit über die übliche Wetterzone hinausreichen. Solche atmosphärischen Schwerewellen entstehen, wenn Luftmassen aus ihrer Gleichgewichtslage gebracht werden und die Schwerkraft eine rücktreibende Bewegung auslöst.
Die Wellen selbst bleiben dem menschlichen Auge meist verborgen. Unter günstigen Bedingungen prägen sie jedoch das schwache Nachtleuchten der oberen Atmosphäre, das durch Lichtabgabe angeregter Gasteilchen entsteht. Anders als bei Wellen an einer Wasseroberfläche breiten sich dabei Störungen der Dichte und der Luftbewegung durch die Atmosphäre aus.
Ein solches Muster hat die National Aeronautics and Space Administration (NASA) nun in Satellitendaten vom 11. Oktober 2026 dokumentiert. Die Nachtaufnahme stammt von der Visible Infrared Imaging Radiometer Suite (VIIRS) auf dem Wettersatelliten NOAA-21 und zeigt bogenförmige Streifen über Hurrikan Simon vor Mexikos Pazifikküste. Die NASA veröffentlichte die Beobachtung am 14. Oktober.
Auf dem Satellitenbild erscheinen die Schwingungen als halbkreisförmige Bänder, die sich vom Sturm nach außen erstrecken. Das Muster ist kein Ring aus Wolken, sondern zeichnet sich im sogenannten Airglow ab, dem äußerst schwachen Lichtschein von Gasen in großer Höhe. Eine besonders ausgeprägte Schicht dieses Nachtleuchtens liegt ungefähr zwischen 85 und 95 Kilometern über der Erdoberfläche.
Das VIIRS-Instrument kann dank seines besonders lichtempfindlichen Tag-Nacht-Kanals selbst dieses Leuchten erfassen. Dafür müssen die Bedingungen stimmen, weil vom Mond beleuchtete Wolken und Oberflächen das schwache Signal leicht überstrahlen können. Bei Simon war die Mondbeleuchtung gering, sodass sich die Wellen in der Satellitenaufnahme abzeichneten.
Den Antrieb der Schwerewellen verortet die NASA vor allem in der heftigen Konvektion an der Augenwand des Hurrikans. Dort steigt feuchtwarme Luft auf, während bei der Kondensation von Wasserdampf Wärme frei wird und hoch reichende Gewitterwolken entstehen. Ihre kräftigen Aufwinde können Schwingungen anstoßen, die sich durch die Stratosphäre bis in die Mesosphäre ausbreiten.
Ob solche Schwingungen die große Höhe erreichen, hängt auch von den Windverhältnissen in den durchquerten Luftschichten ab. Strömungen können die Wellen unterwegs abschwächen oder auflösen, sodass nicht über jedem kräftigen Sturm ein entsprechendes Muster sichtbar wird. Die Aufnahme bedeutet deshalb nicht, dass die Gewitterwolken selbst bis in rund 90 Kilometer Höhe reichten.
Wie kräftig Simon in Bodennähe war, zeigt eine zweite Aufnahme desselben Tages. Der Satellit Suomi NPP erfasste den Sturm am Nachmittag mit einem deutlich ausgebildeten Auge, rund 50 Kilometer vor Mexikos Küste zwischen Manzanillo und Puerto Vallarta. Nach Angaben des National Hurricane Center (NHC) erreichten die anhaltenden Windgeschwindigkeiten zu diesem Zeitpunkt etwa 210 Kilometer pro Stunde, zeitweise waren es zuvor bis zu 250 Kilometer pro Stunde.
Die Bilder stammen von verschiedenen Überflügen und zeigen deshalb nicht denselben Zustand zur selben Zeit. Während die Tagesaufnahme die Struktur des Wirbelsturms und seine Nähe zur Küste erkennen lässt, dokumentiert das Nachtbild seine Wirkung in einer viel höheren Luftschicht.