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D-Rex: Riesenpilz aus China könnte zur Zeit des Dinosauriersterbens entstanden sein
Fund mit Überraschung: In den Wäldern Südwestchinas haben Forscher einen Riesen unter den Schlauchpilzen entdeckt. Dianjunus rex bildet bis zu einem halben Meter lange Fruchtkörper, die im Extremfall 2,2 Kilogramm wiegen. Doch nicht nur seine Größe ist ungewöhnlich. Genanalysen deuten darauf hin, dass seine bislang unbekannte Pilzfamilie vor rund 65 Millionen Jahren entstand, etwa zur Zeit des großen Dinosauriersterbens.
Kunming (China). Pilze können gewaltige Ausmaße erreichen. Doch meist bleibt ihr fadenförmiges Geflecht im Untergrund verborgen, während nur die Fruchtkörper über Erde oder Holz herausragen. Bei den Schlauchpilzen sehen diese Fortpflanzungsorgane zudem oft ganz anders aus als die bekannten Pilze mit Hut und Stiel.
Viele Vertreter der Ordnung Xylariales bilden eher kleine, dunkle und holzbewohnende Fruchtkörper. Umso ungewöhnlicher wirken die hellen, keulenförmigen Gebilde, die in mehreren Wäldern der chinesischen Provinz Yunnan aus dem Boden ragten. Forscher des Kunming Institute of Botany (KIB) um Dr. Indunil C. Senanayake haben nun ihre Verwandtschaft und Entwicklungsgeschichte untersucht.
Das Team sammelte die ungewöhnlichen Pilzkörper zwischen August 2024 und Juli 2025 in Nadelwäldern und tropischen Regenwäldern. Sie wuchsen an den Wurzeln absterbender Bäume, unter anderem an der Chinesischen Korkeiche. Die aufrechten Fruchtkörper erreichten einschließlich ihres unterirdischen Stiels 20 bis 50 Zentimeter Gesamtlänge, ihre sporenbildenden Teile waren 10 bis 20 Zentimeter hoch. Viele Exemplare wogen 250 bis 600 Gramm. Das schwerste dokumentierte Stück brachte sogar 2,2 Kilogramm auf die Waage.
Die hellgelblichen bis weißlichen Gebilde gehören zu den Schlauchpilzen, deren Sporen in mikroskopisch kleinen Schläuchen entstehen. Anders als bei gewöhnlichen Hutpilzen tragen hier kompakte, teils verzweigte Gewebekörper die Fortpflanzungsstrukturen. In ihren Ausmaßen sind diese aufrecht wachsenden Fruchtkörper für ihre Verwandtschaftsgruppe außergewöhnlich.
„Diese bemerkenswerte Art stellt eine neue Pilzfamilie, die Dianjunaceae, dar und eröffnet einen seltenen Einblick in die Evolution extremer Fruchtkörperformen“, erklärt Dr. Indunil C. Senanayake.
Um den Fund einzuordnen, verglichen die Wissenschaftler Form und mikroskopische Merkmale mit denen bekannter Schlauchpilze. Hinzu kamen Untersuchungen von vier DNA-Abschnitten und die Auswertung mehrerer vollständig sequenzierter Pilzgenome. Das Ergebnis: Dianjunus rex unterscheidet sich genetisch so deutlich von seinen nächsten bekannten Verwandten, dass das Team nicht nur eine neue Art und Gattung, sondern auch die neue Familie Dianjunaceae beschreibt.
Die nächstverwandte bekannte Familie ist die Graphostromataceae. Mithilfe einer molekularen Uhr schätzten die Forscher, wann sich die beiden Entwicklungslinien trennten: Der wahrscheinlichste Wert liegt bei rund 65 Millionen Jahren, die berechnete Spanne reicht jedoch von etwa 50 bis 80 Millionen Jahren. Damit könnte die Entstehung der Linie zeitlich in die Nähe des Asteroideneinschlags vor rund 66 Millionen Jahren fallen.
„Dieser Zeitpunkt wirft eine faszinierende Möglichkeit auf. Nach dem Massenaussterben veränderten sich die Wälder dramatisch, auch weil plötzlich große Mengen abgestorbenen Pflanzenmaterials verfügbar waren. Für holzbewohnende Zersetzerpilze könnten solche Umweltveränderungen neue ökologische Möglichkeiten geschaffen haben“, sagt Dr. Indunil C. Senanayake.
Ein direkter Zusammenhang mit der Katastrophe ist allerdings nicht nachgewiesen. Die Datierung beschreibt die mutmaßliche Abspaltung einer Abstammungslinie, nicht das Alter der heute entdeckten Pilzart. Zudem umfasst die erhebliche Unsicherheit der Schätzung sowohl Zeiten vor als auch nach dem Massenaussterben.