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Washington droht, Europa kontert: Telekomriesen bündeln Kräfte gegen Starlink
Telekom, Orange, Telefónica und Vodafone prüfen eine gemeinsame Bewerbung um Satellitenfrequenzen. Zugleich warnt Washington vor den Folgen für US-Unternehmen, falls die EU deren Zugang einschränkt. Im Streit um Starlink geht es auch um Europas digitale Souveränität und die künftige Versorgung von Smartphones aus dem All.
Deutsche Telekom, Orange, Telefónica und Vodafone haben eine Absichtserklärung unterzeichnet, um eine gemeinsame Bewerbung um künftige Frequenzen für mobile Satellitendienste (Mobile Satellite Services, MSS) in Europa zu prüfen. Das gaben die Unternehmen am 19. Oktober bekannt. Eine gemeinsame Bewerbung ist damit noch nicht beschlossen.
Die Betreiber wollen wichtige Bodeninfrastruktur sowie Koordinierungs- und Überwachungsfunktionen in Europa aufbauen. Die Satellitenkonstellation selbst soll ein Partner bereitstellen, der noch ausgewählt werden muss. Das geplante Modell soll nach Angaben der Unternehmen auch anderen Mobilfunkanbietern offenen und diskriminierungsfreien Zugang zu Satellitendiensten ermöglichen.
Hinter der Initiative steht eine anstehende Neuordnung des europäischen 2-GHz-Bands für MSS. Die bisherigen Lizenzen laufen im Mai 2027 aus. Die EU-Kommission hat vorgeschlagen, die Frequenzen anschließend über ein unionsweites Verfahren neu zu vergeben. Das Band gilt als geeignet für sogenannte Direct-to-Device-Dienste: Satelliten könnten damit Mobiltelefone direkt erreichen, etwa in Gebieten ohne terrestrischen Mobilfunkempfang. Der Vorschlag muss noch das EU-Gesetzgebungsverfahren durchlaufen.
Die Kommission begründet die Neuregelung unter anderem mit Wettbewerb, Versorgung und der Widerstandsfähigkeit kritischer Kommunikation. In der Debatte geht es zugleich um Europas Abhängigkeit von ausländischen Satellitenanbietern. Der Vorschlag sieht unterschiedliche Nutzungen des Bands vor, darunter kommerzielle Dienste und sichere Kommunikation. Einzelheiten hängen vom endgültigen Gesetz und dem Vergabeverfahren ab.
In einem Bericht schildert die Financial Times, dass der US-Botschafter bei der EU, Andrew Puzder, europäische Unternehmen vor möglichen schweren Folgen auf dem US-Markt gewarnt habe, sollte Brüssel US-Anbietern den Zugang zu Teilen des europäischen Spektrums erschweren. Anlass ist demnach der EU-Vorschlag, der den Zugang zu MSS-Frequenzen neu ordnen und damit auch die Chancen von Unternehmen wie SpaceX beeinflussen könnte. SpaceX hat sich gegen den Vorschlag ausgesprochen und vor möglichen Folgen für die Starlink-Verbindung in der Ukraine gewarnt.
Damit erhält die Initiative der vier Netzbetreiber eine geopolitische Dimension: Während Washington vor einer Benachteiligung amerikanischer Anbieter warnt, versuchen große europäische Telekomkonzerne, eine eigene Rolle bei der künftigen Nutzung der Frequenzen zu sichern. Belegt ist der gemeinsame sachliche Zusammenhang; dass die US-Warnung der direkte Auslöser der Absichtserklärung war, ist nicht belegt.
Starlink ist im Satellitenfunk für Smartphones bereits praktisch aktiv. In Großbritannien startete Virgin Media O2 im Februar 2026 einen Starlink-gestützten Dienst, der Mobiltelefone in Funklöchern verbinden soll. Dabei werden O2-Frequenzen vom Satelliten aus genutzt. Das zeigt ein Modell, bei dem Satellitenkapazität und Frequenzzugang von unterschiedlichen Partnern kommen.
Die europäische Initiative muss Starlink daher nicht unmittelbar ersetzen. Sie könnte eine zusätzliche, europäisch organisierte Option schaffen und Wettbewerbern Zugang über bestehende Mobilfunknetze eröffnen. Wer den Satellitenbetrieb übernimmt und wie ein solcher Dienst technisch, kommerziell und regulatorisch ausgestaltet wird, ist noch offen. Auch konkrete Starttermine und Leistungsmerkmale haben die vier Unternehmen bislang nicht genannt.