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Intelligentere Menschen schätzen sich selbst als weniger attraktiv ein
Wie attraktiv Menschen sich selbst finden, muss nicht dem Urteil anderer entsprechen. Eine Studie zeigt nun einen schwachen negativen Zusammenhang zwischen der Leistung in einem Intelligenztest und der Einschätzung des eigenen Aussehens. Der Befund beruht auf 292 Personen und sagt nichts darüber aus, wie attraktiv sie tatsächlich waren.
Oslo (Norwegen). Die eigene Attraktivität zu beurteilen, ist eine Frage der Selbstwahrnehmung. Sie kann von der Einschätzung Außenstehender abweichen und auch mit persönlichen Einstellungen zusammenhängen. Deshalb untersucht die Psychologie, welche Eigenschaften mit einem besonders positiven oder negativen Bild des eigenen Aussehens verbunden sind.
Frühere Arbeiten verbinden die wahrgenommene Attraktivität mit Selbstvertrauen und sozialem Verhalten. Ob sich auch die tatsächlich gemessene geistige Leistungsfähigkeit darin widerspiegelt, war dagegen weniger klar. Ein positiver Zusammenhang hätte nahegelegen, weil Bildung und Intelligenz häufig miteinander verknüpft sind.
Forscher der BI Norwegian Business School (BI) um Prof. Adrian Furnham haben nun zwei unabhängige Gruppen von Freiwilligen untersucht, die aus einem Pool beruflicher Testteilnehmer stammten. Sie analysierten, wie die selbst eingeschätzte Attraktivität mit Bildungsabschluss, Optimismus, weltanschaulichen Einstellungen und verschiedenen Persönlichkeitseigenschaften zusammenhängt. Insgesamt nahmen 1.091 Personen teil.
An der ersten Teilstudie beteiligten sich 799 Menschen, an der zweiten 292. Alle bewerteten ihr eigenes Aussehen auf einer Skala von null bis 100 und beantworteten Fragen zu ihren persönlichen Merkmalen. Nur die zweite Gruppe absolvierte zusätzlich einen computergestützten Test der allgemeinen kognitiven Leistungsfähigkeit, der unter anderem Sprachverständnis, Rechengeschwindigkeit und räumliches Vorstellungsvermögen erfasst.
Die Ergebnisse zeigten einen unerwarteten Zusammenhang. Wer bei diesem Test besser abschnitt, stufte seine eigene Attraktivität tendenziell etwas niedriger ein. Der statistische Korrelationswert lag bei r = −0,19 und war damit schwach, sodass sich aus dem Testergebnis kaum etwas über das Selbstbild einer einzelnen Person ableiten lässt.
Die Beziehung blieb auch nach Berücksichtigung von Alter, Geschlecht, Bildungsabschluss, Optimismus und Persönlichkeit knapp statistisch signifikant. Bei einer um eine Standardabweichung höheren Testleistung lag die Attraktivitätsbewertung rechnerisch um rund 2,4 Punkte niedriger. Auf der Skala von null bis 100 ist das ein kleiner Unterschied. Durch die Berücksichtigung der Intelligenz konnte das statistische Modell nur 1,2 Prozentpunkte mehr von den Unterschieden zwischen den Selbsteinschätzungen erklären.
Andere Merkmale wiesen in die entgegengesetzte Richtung. In beiden Teilstudien bewerteten sich Menschen mit Hochschulabschluss im Durchschnitt als attraktiver als Personen ohne akademischen Abschluss. Auch ausgeprägter Optimismus und größere emotionale Stabilität gingen wiederholt mit einem günstigeren Selbstbild einher.
Der Bildungsabschluss zeigte damit ein anderes Muster als die durch einen Test erfasste Intelligenz. Beide Merkmale sind zwar miteinander verbunden, messen aber nicht dasselbe. Aus einem höheren Bildungsstand lässt sich folglich kein gleichgerichteter Zusammenhang für die tatsächlich gemessene geistige Leistungsfähigkeit ableiten.
Männer schätzten sich in beiden Gruppen zunächst etwas attraktiver ein als Frauen. In der zweiten Teilstudie ließ sich dieser Unterschied nach Berücksichtigung der übrigen Merkmale allerdings nicht mehr statistisch absichern. Auch Zusammenhänge mit Religiosität, politischer Orientierung und Wettbewerbsneigung erwiesen sich zwischen beiden Untersuchungen nicht als durchgehend stabil.