// TAGESSCHAU AUSLAND — MONDO
Wer an den Ausschreitungen in Frankreich beteiligt war
Die Gewalteskalation beim landesweiten Protesttag hat Frankreich schwer erschüttert. Wer waren die Randalierer und Plünderer? Für den Premierminister ist die Antwort klar, doch die Wirklichkeit ist komplexer.
Feuerwerkskörper, Tränengas und geplünderte Geschäfte: Die Gewalteskalation von Samstag bestimmt weiter die öffentliche Debatte in Frankreich. Für Premierminister Sébastien Lecornu liegt die Verantwortung klar bei Aktivisten aus der linksextremen Szene. Es sei eine Vorgehensweise, die es noch nie gegeben habe: "Wir haben es seit dem Morgen in Marseille gesehen, wo eine Reihe von extrem, radikalen und Ultra-Linken im Schwarm aufgetreten sind - und zur Gewalt angestiftet haben: methodisch und digital organisiert."
In Zusammenhang mit dem angezündeten Rathaus von Limoges wurde ein Tatverdächtiger festgenommen, der als linksextremer Gefährder eingestuft und wegen Gewaltverstößen bekannt ist.
Ausgangssperren, Antiterror-Soldaten, neue Dekrete: Frankreich und Italien haben auf die Ausschreitungen reagiert.
mehr
Insgesamt ergibt sich aber ein differenzierteres Bild. Die leitende Staatsanwältin von Paris, Laure Beccuau kann die Lesart der Regierung bislang nicht bestätigen. Denn im Polizeigewahrsam würden sich viele gar nicht zu ihren politischen Überzeugungen äußern, sagte Beccuau bei TF1.
Für die Ausschreitungen in Paris sind laut den Behörden zwei unterschiedliche Gruppen verantwortlich. Die Randalierer am Nachmittag auf dem Place de la République hätten mit den Plünderern aus der Nacht wenig zu tun, betonte der Sprecher des französischen Justizministeriums Sacha Straub-Khan bei France Info. Es gebe zwei unterschiedliche Profile, einmal die organisierten Randalier. "Sie bekennen sich zu einem politischen Ziel, meist im linken Spektrum verortet." Es gebe aber auch diejenigen, die durch die Innenstädte gezogen seien und das stundenlange Chaos nutzten, um zu plündern. "Das sind andere Gruppen, die nicht politisiert sind."
Interview
19.10.2026
Hat Frankreichs Präsident Macron die Unzufriedenheit im Land unterschätzt? Politikwissenschaftler Ross im Interview.
mehr
Insgesamt deckt sich das mit Beobachtungen von Journalisten vor Ort - auch denen des ARD-Teams. Parallel zu den Ausschreitungen auf dem Place de la République sei die zweite Gruppe in die Stadt gekommen, so Staatsanwältin Beccuau. "Die Polizei hat ab etwa 16.00 Uhr an mehreren Bahnhöfen in Paris weitere Personen bemerkt - die offensichtlich kamen, um die Gelegenheit zu nutzen. Und die später an den Überfällen auf Geschäfte beteiligt waren."
Bisher sind laut Beccuau vor allem die weniger schweren Fälle ausgewertet. Dabei habe sich gezeigt, dass viele Plünderer aus dem Département Seine-Saint-Denis, aus Nanterre oder Créteil kamen, also aus Pariser Vororten. Sie sind migrantisch geprägt, viele Bewohner leben unterhalb der Armutsgrenze.