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Frankreichs Schuldenkrise: Droht eine neue Eurokrise?
Frankreichs Anleiherenditen sind auf den höchsten Stand seit 2002 gestiegen. Wie groß ist die Ansteckungsgefahr für andere hochverschuldete Euroländer - und was kann die EZB dagegen tun?
Frankreich gerät an den Finanzmärkten immer stärker unter Druck. Der Risikoaufschlag französischer Staatsanleihen gegenüber deutschen Bundesanleihen ist in dieser Woche auf rund 1,6 Prozentpunkte gestiegen - den höchsten Stand seit 15 Jahren. Am Freitagabend nach Börsenschluss droht bereits die nächste schlechte Nachricht: Dann könnte die Ratingagentur Moody's die Kreditwürdigkeit Frankreichs herabstufen - so die Erwartung vieler Ökonomen.
Denn Frankreichs Schuldenberg wächst weiter, während die politische Krise in Paris einen Sparkurs erschwert. Volker Schilling vom Vermögensverwalter Greiff Capital spricht gegenüber der ARD-Finanzredaktion von einem "Trilemma": Frankreich müsse sich zwischen seinem Sozialstaat, höheren Verteidigungsausgaben und Schuldentragfähigkeit entscheiden. "Alles drei wird nicht gehen. Man wird Prioritäten setzen müssen - und das wird der Markt erzwingen."
Marktbericht
19.10.2026
Die Gewalteskalation in Frankreich lastet auch auf den Finanzmärkten.
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Wie schwierig die Ausgangslage ist, zeigen Zahlen des Internationalen Währungsfonds (IWF). Demnach dürfte die französische Staatsverschuldung 2026 auf 118,5 Prozent der Wirtschaftsleistung steigen. Zum Vergleich: Zu Beginn der Euro-Schuldenkrise 2010 lag sie noch bei rund 86 Prozent.
Auch beim Haushaltsdefizit gehört das Land zu den Problemfällen der Eurozone. Der IWF erwartet für dieses Jahr ein Minus von etwa 5,4 Prozent der Wirtschaftsleistung - weit mehr als die nach europäischen Regeln grundsätzlich erlaubten drei Prozent. Höhere Renditen verteuern die Aufnahme neuer Schulden und die Refinanzierung auslaufender Anleihen.
Eine mögliche Herabstufung durch Moody's könnte Frankreich an den Anleihemärkten zusätzlich unter Druck setzen. In dieser Woche rentierten zehnjährige französische Staatsanleihen erstmals seit 2002 zeitweise mit mehr als fünf Prozent.
Grund zur Panik sei das aber nicht, betont Stephan Kemper, Chefkapitalmarktstratege bei BNP Paribas Wealth Management, im Gespräch mit der ARD-Finanzredaktion. "Was wir hier erleben, ist keine Systemkrise des Euro, sondern vielmehr eine sehr klare Nachricht des Marktes an ein spezielles Land."
Tatsächlich unterscheiden die Anleger deutlich zwischen den einzelnen Euroländern. So muss Frankreich derzeit sogar höhere Zinsen bieten als Italien - ein bemerkenswerter Rollentausch an den Anleihemärkten.