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Brasilien vor der Stichwahl: Die Macht der Influencer
Wer beherrscht die Sozialen Netzwerke? Diese Frage könnte in Brasilien wahlentscheidend sein. Im digitalen Wahlkampf kann Bolsonaro auf den erfolgreichsten Influencer des Landes zählen - doch auch die Linke hat dazugelernt.
Sie sind jung, links und haben eine klare Mission - sie wollen den Rückstand Lula da Silvas gegen Flávio Bolsonaro wettmachen. Am 7. Oktober, zwei Tage nach dem ersten Wahlgang zur Präsidentschaft Brasiliens, trifft sich eine Gruppe junger und digital aktiver Abgeordneter der linken Arbeiterpartei mit dem Präsidenten in Brasilia.
Am selben Tag gründet sich, unter der Leitung des Abgeordneten André Janones, das "Exercito do Lula", zu deutsch "Lulas Armee". Sie mobilisieren zu digitalen Flashmobs, setzen Hashtags und Trends, machen Unterstützer zu Multiplikatoren - ein Frontalangriff auf den Algorithmus.
"Leute! Habt ihr das gerade mitbekommen? Schreibt 'Soldat' hier in die Kommentare, sobald ihr den Link erhalten habt, tretet bei, folgt uns, die Opposition ist schon ganz verzweifelt, weil die Gruppe wächst und wächst. Wenn wir die fünf Millionen erreichen, wird sich Lula ein Handy besorgen und selbst der Gruppe beitreten."
Präsident Lula besitzt kein Handy, und sein erstes Selfie entstand erst im Wahlkampf.
Bis Freitag waren es schon mehr als 9,5 Millionen. Aber dass der bald 81-jährige Lula kein persönliches Handy besitzt, war kein Scherz - und genau das veranschaulicht ein zentrales Problem der Linken im Wahlkampf.
Während Flávio Bolsonaro regelmäßig Videos postet, nahm Lula Anfang Oktober sein allererstes Selfie auf. Und im Gegensatz zur Gegenseite gibt es bei der Arbeiterpartei bisher nur wenige Figuren mit großer digitaler Reichweite.
Eine davon ist Ana Elisa, 21 Jahre, fünf Millionen Follower, gerade wurde sie zur jüngsten Abgeordneten Brasiliens gewählt. "Die Rechte hat viel schneller als die Linke verstanden, dass Wahlkampf heute gleichzeitig auf der Straße und im Netz stattfinden muss", sagt sie. "Geh mal um fünf Uhr an eine Bushaltestelle und sag mir, wer nicht auf sein Handy guckt."
In ihren Videos nimmt sie am Alltag der Wähler teil, geht in den Dialog und zeigt ihre eigene Lebensrealität - die einer schwarzen Frau, die dank Sozialprogrammen studieren konnte: "Wir müssen die Narrative für linke Ideen zurückgewinnen", erklärt sie.
Wenige Tage vor der Stichwahl in Brasilien wird der Wahlkampf zunehmend erbittert geführt.
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