// TAGESSCHAU AUSLAND — MONDO
Nachbarstaaten knüpfen wenig Hoffnung an die Wahl in Israel
Die Wahl der Knesset wird auch in den Nachbarstaaten Libanon und Syrien genau beobachtet. Die Hoffnung auf eine Änderung von Israels Außenpolitik - im Falle einer Niederlage von Premier Netanjahu - ist jedoch gering.
Für den Libanon hatte das Massaker der radikalislamischen Hamas vom 7. Oktober 2023 in Israel weitreichende Konsequenzen: Nur einen Tag später, am frühen Morgen des 8. Oktober, feuerte die Hisbollah Raketen auf den Norden Israels ab. Die proiranische Miliz wollte damit ihre Solidarität mit der Hamas demonstrieren.
Darauf regierte Israel mit Gegenangriffen, die zu einer massiven Eskalation und 2024 zu einer Bodenoffensive im Libanon führten. Die Folgen waren Tausende Tote und Verletzte, ganze Dörfer machte die israelische Armee dem Boden gleich, Hunderttausende Menschen sind bis heute auf der Flucht. Israel hält die Region seitdem besetzt. Mit dem Krieg zwischen Israel, den USA und Iran Anfang dieses Jahres eskalierte die Situation einmal mehr.
US-Präsident Trump und Israels Premier Netanjahu hatten auf einen Durchmarsch im Iran-Krieg gesetzt.
mehr
Darum schaut man im Libanon genau hin, wenn jetzt in Israel gewählt wird: "Das Schicksal unseres Landes, das Schicksal unseres Volkes hängt davon ab", sagt eine 63-jährige pensionierte Lehrerin bei einer Straßenumfrage in der Hauptstadt Beirut. "Netanjahu droht uns ständig", sagt sie. "Israel besetzt den Südlibanon, und selbst hier in Beirut sind wir nicht sicher. Solange Netanjahu an der Macht ist, gibt es weder Sicherheit noch Schutz! Natürlich hoffe ich, dass er verliert!"
In Israel ist der Herausforderer von Premier Benjamin Netanjahu Gadi Eisenkot. Der ehemalige israelische Generalstabschef und Spitzenkandidat der Partei Yashar prägte als hochrangiger Militär und Chef des Nordkommandos die sogenannte "Dahiya-Doktrin", der zufolge die Bekämpfung der Hisbollah auch massive Gewalt gegen Zivilisten und zivile Infrastruktur rechtfertigt.
Mit der Hoffnung auf eine stabile Waffenruhe in seinem Land reist Libanons Präsident Aoun nach Washington.
mehr
Was wäre von ihm als potentiellem neuen Premierminister in Israel zu erwarten? Der libanesische Journalist und Politikbeobachter Amin Qammuriya ist überzeugt: Beide Politiker verfolgen in der Libanon-Frage ein hartes Vorgehen gegen die Hisbollah bis zu deren Vernichtung: "Allerdings gibt es strategische Differenzen zwischen den beiden", fügt er hinzu. "Eisenkot könnte möglicherweise feste Sicherheitsgarantien anstreben, während Netanjahu einfach weiter auf Präventivschläge setzen wird: Er will den Krieg so lange wie möglich fortführen, denn davon profitiert er. Seine gesamte politische Zukunft hängt vom Fortführen des Krieges ab."
Im Libanon ist die Angst daher groß, dass Netanjahu kurz nach den Wahlen die Lage im Land noch mal eskaliert, entweder weil sich seine Niederlage abzeichnet oder auch im Falle eines Sieges, um seinen Erfolg abzusichern.
Davon ist der libanesische Journalist und Autor Dschad Yatim überzeugt: "Auch Eisenkot ist ein Hardliner und Militär. Womöglich würde er, um das Verhältnis zu den USA zu glätten, bei den Verhandlungen kleinere Zugeständnisse machen - aber ich sehe in ihm keinen zweiten Jitzchak Rabin. Hier im Libanon rechnet jedenfalls niemand nach den israelischen Wahlen mit einer wirklichen Entspannung."