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1992 in Halle veröffentlicht: Die Drahtzieher hinter der Stasi-Liste
Vor mehr als 30 Jahren sorgte eine Liste mit rund 4.500 Namen von geführten Stasi-Informanten in Halle für Aufsehen. Wer sie verfasste, blieb jahrzehntelang unbekannt. Jetzt sprechen die Verfasser erstmals öffentlich.
Im sachsen-anhaltischen Halle sorgt 1992 eine Liste für Aufsehen: Sie enthält die Namen von rund 4.500 Menschen, die zwischen 1986 und 1989 als Inoffizielle Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit geführt wurden. Wer hinter der Veröffentlichung steckt, bleibt über mehr als drei Jahrzehnte lang unbekannt. Nun äußern sich die Verfasser erstmals öffentlich.
Neben rund 4.500 Klar- und Decknamen enthält die Liste von Halle auch Angaben zu Wohn- und Einsatzorten von Menschen, die als Inoffizielle Mitarbeiter (IM) für das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) registriert waren. Anders als die hauptamtlichen Mitarbeiter waren sie nicht beim Ministerium angestellt, sondern wurden als Informanten von der Staatssicherheit angeworben und sollten verdeckt Informationen über Menschen in ihrem persönlichen und beruflichen Umfeld liefern.
Seit 1990 kamen laut einer Übersicht des Bundesarchivs zufolge 7,5 Millionen Anträge zusammen.
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Gemessen an der Bevölkerungsdichte besaß die DDR den mit Abstand dichtesten Überwachungsapparat des gesamten Ostblocks. Das Ministerium für Staatssicherheit war Geheimdienst und politische Geheimpolizei zugleich. Als "Schild und Schwert der Partei" sollte es die Herrschaft der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) sichern, Kritiker ausfindig machen und oppositionelle Aktivitäten unterbinden.
Im Herbst 1989 beschäftigte das MfS rund 91.000 hauptamtliche Mitarbeiter, hinzu kamen etwa 189.000 Inoffizielle Mitarbeiter. Betrachtet man die Zahl aller Mitarbeiter des MfS, kommt man auf eine Dichte von einem Informanten auf 60 DDR-Bürger.
Bereits Anfang November 1989 begann die Stasi in größerem Umfang, Akten zu vernichten. Als die Vorgänge bekannt wurden, besetzten Bürgerrechtler Stasi-Dienststellen im ganzen Land, um die Vernichtung zu stoppen und Unterlagen zu sichern.
Aus Angst, auch die IM-Karteien könnten wieder unter Verschluss geraten, schließen sich sieben Menschen in Halle zusammen und tippen nächtelang hochkonspirativ ab. Fünf von ihnen sprechen darüber in der ARD-Dokumentation "Der große Stasi-Leak".
Zu den zentralen Akteuren gehörten der spätere Leiter der Hallenser Stasi-Unterlagen-Außenstelle und Pfarrer Ulrich Schlademann, der Leopoldina-Archivar Wieland Berg, der Umweltaktivist Matthias Waschitschka, die evangelische Pfarrerin Thea Ilse sowie Druckereibetreiber Henning Schaarschmidt. Viele von ihnen engagierten sich bereits in den 1980er-Jahren gemeinsam in der oppositionellen Umweltbewegung Halles gegen die Umweltzerstörung im Chemiedreieck - und gerieten damit ins Visier der Staatssicherheit.
Sie gehörten zu den zentralen Akteuren (von links): Ulrich Schlademann, Henning Schaarschmidt, Thea Ilse, Wieland Berg und Matthias Waschitschka.