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Missing Link: Invertierte Maussteuerung – sind die 1990er schuld?
Maus nach vorn, Blick nach unten: Manche steuern Ego-Shooter wie ein Flugzeug. Doch die Gen Z lacht sich darüber kaputt.
Screenshot aus „Duke Nukem 3D: 20th Anniversary World Tour“
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Kaum jemand hat schneller die Maus gezogen als Johnathan Wendel: Der Profispieler klickte sich als „Fatal1ty“ um die Jahrtausendwende an die Weltspitze der Videospieler. Fast eine halbe Million US-Dollar Preisgeld hat er kassiert. Wendel war einer der ersten E-Sportler, die davon lebten, eine Spielfigur mit Maus und Tastatur durch eine virtuelle Arena zu steuern. Kaum jemand hatte eine Chance gegen Wendel beim First-Person-Shooter „Quake“. Dabei setzte der 45-Jährige aus den USA auf eine Steuerung, die heute viele irritiert.
Wendel hatte die Y-Achse umgekehrt. Sprich: Fatal1ty schob die Maus nach vorne, um nach unten zu schauen – und zog sie zu sich hin, um hochzublicken. Wie ein Pilot am Steuerknüppel. „Ich benutze seit dem ersten Teil von Quake eine invertierte Maus“, sagt Wendel gegenüber heise online. „Ich hatte nie das Gefühl, dass ich dadurch irgendwelche Nachteile hatte.“ Ganz im Gegenteil: „Ich liebe es“, sagt der ehemalige E-Sportler, der auch mit umgedrehter Blickrichtung auf PC, Konsole und Handydisplay zockt. Überall.
Die Gen Z schüttelt bei solchen Einstellungen nur irritiert den Kopf. Gamer wie Wendel gelten als Einhörner, eine seltene Spezies. Heute gilt: Wer die Maus nach vorne schiebt, schaut auch nach oben, also dahin, wo sich der Mauszeiger hinbewegt. Wie auf dem Desktop am PC: Wer die Maus nach oben schiebt, will dort den Cursor sehen. Mit invertierter Y-Achse spielt mittlerweile kaum noch jemand. Vor allem bei Profis gibt es kaum noch Invertierer. Es gibt nur wenige Ausnahmen, wie den Counter-Strike-Profi „FASHR“, der aber auch ansonsten ungewöhnliche Tasten bevorzugt – und mit der rechten Maustaste vorwärtsläuft.
In zahlreichen Reddit-Foren tauschen sich Spielerinnen und Spieler darüber aus, ob sie ihre Steuerung umkehren. „Ich invertiere nie“, schreibt dort ein Nutzer. „Ich bin 44 Jahre alt und kein Flugzeug. Normalerweise bin ich ein Typ am Boden, der mit einer Pistole rumläuft.“
Wissenschaftler Jochen Koubek hingegen ist überzeugter Invertierer. „Es fühlt sich für mich richtig an, dass die Kamera nach oben schaut, wenn ich die Maus oder den Joystick zu mir ziehe“, sagt der Professor für Digitale Medien von der Universität Bayreuth im Gespräch mit heise online. Koubek erklärt sich das mit dem sogenannten Embodiment, also praktisch einer Verschmelzung mit der Spielfigur.
Der Steuerhebel sitzt bei Spielfiguren von Invertierern sozusagen auf dem Kopf. Wird der Joystick nach vorne bewegt, senkt sich der Kopf nach unten. Bei der nicht-invertierten Steuerung sitzt der Joystick eher hinter den Augen der Spielfigur. Die Blickrichtung wird direkt gesteuert. Bewegt man den Hebel nach rechts oben, wandern auch die Augen dorthin.
Wer in aktuellen Computerspielen seine Y-Achse invertieren will, der muss händisch in den Einstellungen nachjustieren. Und selbst dann ist nicht garantiert, dass es funktioniert. Beim Action-Adventure „Alan Wake“ beispielsweise lässt sich auf der Playstation 5 zwar die Blickrichtung der Spielfigur umkehren, aber bei Autofahrten zieht die Kamera weiter konsequent nach oben, wenn man nach oben drückt. Invertierer bringt das zur Verzweiflung. Bei anderen Spielen wie „R.E.P.O.“ haben Fans sogar eigene Tools programmiert, um die vertikale Blickrichtung umzudrehen.