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Berichte über Nahtoderfahrungen enthüllen ein auffälliges Muster
Ein Tunnel ins Licht ist nur eine von vielen möglichen Nahtoderfahrungen. Die Erinnerungen von 50 Menschen zeigen ein auffälliges Muster: Eng begrenzte, tunnelartige Räume wurden meist ohne Farben geschildert, weit geschwungene Räume dagegen überwiegend bunt. Warum die Wahrnehmungen so zusammenhängen, bleibt offen.
Haifa (Israel). Wer von einer Nahtoderfahrung berichtet, beschreibt häufig ein helles Licht, einen Tunnel oder das Gefühl, den eigenen Körper verlassen zu haben. Doch die inneren Bilder können sich beträchtlich unterscheiden, und weder ihr räumlicher Aufbau noch ihre Entstehung ist bislang ausreichend verstanden.
Übliche Fragebögen erfassen vor allem einzelne Merkmale und Gefühle solcher Erlebnisse. Wie Menschen die Grenzen eines wahrgenommenen Raumes erleben und ob diese mit bestimmten Farbeindrücken zusammenhängen, lässt sich mit bloßen Beschreibungen dagegen nur schwer vergleichen.
Forscher der University of Haifa um Dr. France Lerner haben deshalb 50 Menschen gebeten, ihre früheren Nahtoderfahrungen nicht nur zu beschreiben, sondern zeichnerisch zu rekonstruieren. In angeleiteten Online-Terminen ordneten sie ihre Erinnerungen zeitlich und wählten geometrische Vorlagen, die sie bei Bedarf von Hand veränderten.
Aus insgesamt 112 geschilderten Abschnitten ließen sich 108 einer von vier räumlichen Grundformen zuordnen. Dazu zählten tunnelartige, kegelförmige Räume, stärker gewölbte Bögen, flachere Bögen und ringsum geschlossene, kugel- oder ellipsenartige Räume. Die Teilnehmer markierten außerdem, wo sie sich selbst innerhalb der Räume verorteten und wie sie sich darin bewegten.
Zusätzlich hielten sie fest, ob die erinnerte Umgebung farbig oder nur in Schwarz, Weiß, Grau und Helligkeitsabstufungen erschien. Die Auswertung bezog sich damit auf einzelne rekonstruierte Erlebnisabschnitte, nicht auf 112 unterschiedliche Personen.
Das auffälligste Ergebnis betrifft die Farben: Von 28 tunnelartigen Räumen waren 22 farblos, also knapp 79 Prozent. Unter 31 weit geschwungenen Bogenräumen waren dagegen 27 farbig, etwa 87 Prozent. Die Form des erinnerten Raumes hing somit erkennbar mit der berichteten Farbigkeit zusammen.
Auch in statistischen Analysen, die mehrere Raumangaben derselben Person berücksichtigten, blieb dieser Gegensatz bestehen. Bei den flachen Bögen und ringsum geschlossenen Räumen waren die Befunde weniger eindeutig. Dort zeigte sich eine Mischung farbiger und farbloser Eindrücke, und Unterschiede zu den Tunneln hingen stärker von der Auswertungsmethode ab.
Für die Reihenfolge der erlebten Räume fand sich kein klarer Zusammenhang mit der Farbigkeit. Allerdings war die Unsicherheit dieser Analyse groß, sodass ein möglicher Einfluss der Abfolge nicht zuverlässig ausgeschlossen werden kann.
Die Kombination aus engen, häufig farblosen und weiten, häufig bunten Bildräumen erinnert an bekannte Eigenschaften der Wahrnehmung. So kann bei Störungen der Durchblutung oder Sauerstoffversorgung das Gesichtsfeld enger werden, während bei schwachem Licht die Fähigkeit zum Farbsehen nachlässt.