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Ehemalige Xbox-COO: Helen Chiang widerspricht Entlassungsberichten und kritisiert Microsoft
Nach mehr als 20 Jahren hat Helen Chiang Microsoft überraschend verlassen. Die erst im Juli zur Xbox-COO beförderte Managerin weist nun Berichte über eine Entlassung wegen eines Richtlinienverstoßes zurück und äußert sich kritisch über die Anwendung der unternehmenseigenen Maßstäbe in ihrem Fall.
Erstmals seit ihrem abrupten Ausscheiden bei Microsoft hat sich Helen Chiang ausführlicher zu den Umständen geäußert. Berichten, denen zufolge ein Verstoß gegen Unternehmensrichtlinien zu ihrer Entlassung geführt habe, widerspricht die langjährige Xbox-Managerin ausdrücklich und schließt zugleich mehrere mögliche Ursachen für die Trennung aus. Chiang war seit 2005 für Microsoft tätig, mehr als ein Jahrzehnt davon verantwortete sie die Minecraft-Sparte des Unternehmens. Im Rahmen des umfassenden Xbox-Umbaus folgte erst im Juli die Beförderung zur Chief Operating Officer der Gaming-Sparte. Mit der neu geschaffenen Position übernahm sie die Gewinn- und Verlustverantwortung für Inhalte, Hardware, Plattform und Dienste. Ihre Aufgabe bestand darin, die verschiedenen Xbox-Geschäftsbereiche unter einem gemeinsamen Betriebsmodell zusammenzuführen und direkt an Xbox-CEO Asha Sharma zu berichten. Nicht einmal drei Monate später hat Chiang Microsoft überraschend verlassen.
In einem Beitrag auf LinkedIn stellt Chiang nun ausdrücklich in Abrede, wegen eines Verstoßes gegen Unternehmensrichtlinien entlassen worden zu sein. Gleichzeitig betonte sie, dass ihr bisheriges Schweigen nicht als Zustimmung zu den kursierenden Darstellungen aufgefasst werden dürfe. Die öffentliche Beschreibung ihres Ausscheidens habe ein Bild von ihr entstehen lassen, in dem sie sich kaum wiedererkenne. Gleichzeitig schließt Chiang eine Reihe denkbarer Gründe aus: Weder habe sie vertrauliche Informationen an Medien weitergegeben noch nicht genehmigte Kommunikationswege genutzt. Ein Wechsel zu einem Konkurrenten sei ebenfalls nicht ausschlaggebend gewesen. Auch Diskriminierung, Mobbing, Belästigung, Insiderhandel, Veruntreuung und andere betrügerische Aktivitäten weist sie als Ursache zurück. Enttäuschte Karriereambitionen sollen ebenso wenig eine Erklärung sein, denn um den COO-Posten habe sie nicht geworben.
Was stattdessen konkret zur Trennung geführt hat, lässt Chiang weiterhin offen. Sie unterstreicht vielmehr ihre Überzeugung, dass Fairness, Verantwortlichkeit und jene Standards, die für andere gelten, konsequent angewandt werden müssten. Bei ihrem eigenen Fall habe sie jedoch „ernsthafte Bedenken“ hinsichtlich der Frage, wie diese Maßstäbe angewandt worden seien. Ihren Abschied möchte Chiang weder mit Inkompetenz oder übermäßigem Karriereehrgeiz noch mit einem Skandal in Verbindung gebracht sehen. Microsoft hält unterdessen an seiner bisherigen Position fest und nimmt zu individuellen Personalangelegenheiten keine Stellung. Das Unternehmen beschränkte sich darauf, Chiang für ihre langjährige Arbeit zu danken.
Für Xbox fällt Chiangs Ausscheiden in eine besonders relevante Phase. Microsoft strukturiert seine Gaming-Sparte umfassend neu, begleitet von umfangreichen Entlassungen und der Abgabe von Studios wie Compulsion Games und Double Fine. Als COO wäre Chiang eine zentrale Figur bei der Restrukturierung und Optimierung des Geschäfts im Vorfeld der nächsten Konsolengeneration gewesen. Berichten zufolge soll Project Helix 2028 erscheinen. Auch nach ihrer Stellungnahme bleibt damit letztlich ungeklärt, welcher konkrete Anlass zu Chiangs abruptem Ausscheiden geführt hat.
Mit dem bisherigen Stellenabbau scheint die Xbox-Sparte von Microsoft zudem noch nicht am Ende angekommen zu sein. Nach Angaben des Wirtschaftsmagazins Fortune soll das Unternehmen für November 2026 und Januar 2027 zwei weitere Kündigungswellen planen.