// TAGESSCHAU AUSLAND — MONDO
Israels Präsident Herzog startet Konsultationen zur Regierungsbildung
In Israel starten heute die entscheidenden Konsultationen über die Bildung einer neuen Regierung. Nach der Parlamentswahl steckt das Land in einer Blockade. Staatspräsident Herzog ruft zu historischen Kompromissen auf.
Es sind Schicksalstage für die israelische Demokratie. Im Präsidentschaftspalast in Jerusalem beginnen heute die offiziellen Konsultationen zur Regierungsbildung. Staatspräsident Izchak Herzog empfängt nacheinander die Spitzen aller in die Knesset gewählten Fraktionen.
Die Konsultationen sollen bis Donnerstagabend gehen. Die Gespräche sind der Startschuss für einen komplizierten und voraussichtlich langwierigen Prozess, an dessen Ende die Benennung eines Kandidaten für das Amt des Premierministers steht. Doch selten waren die Vorzeichen so verfahren wie nach dieser Wahl.
Das Land ist politisch tief gespalten, das Wahlergebnis hat zu einem mathematischen und ideologischen Patt geführt: Weder der rechtsnationale und religiöse Block des langjährigen Premierministers Benjamin Netanjahu noch das breite Oppositionsbündnis um den ehemaligen Militärchef Gadi Eisenkot können eine stabile Regierungsmehrheit von mindestens 61 der insgesamt 120 Sitze in der Knesset vorweisen.
Analyse
31.10.2026
Die arabischen Listen in Israel haben bei der Parlamentswahl große Erfolge erzielt.
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Die große Überraschung dieser Wahl hat das traditionelle Gefüge der israelischen Politik erschüttert: Den Schlüssel zur Macht halten nun ausgerechnet die arabischen Parteien. Mit zusammen 19 Mandaten sind sie zum Zünglein an der Waage avanciert. In der Geschichte Israels waren arabische Fraktionen nur selten direkt an Regierungsbündnissen beteiligt oder wurden als aktive Unterstützer einbezogen.
Nun stehen sowohl Netanjahu als auch Eisenkot vor der Herausforderung, Brücken zu bauen, die noch vor wenigen Wochen als undenkbar galten. Ob und unter welchen Bedingungen die arabischen Abgeordneten bereit sind, einen der beiden Kandidaten für das Amt des Premierministers zu empfehlen, ist die zentrale Frage dieser Tage.
In Israel haben Hunderte dazu aufgerufen, die arabischen Parteien an der Regierungsbildung zu beteiligen.
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Angesichts dieser verfahrenen Lage wählte Staatspräsident Herzog schon vor Beginn der Konsultationen ungewöhnlich emotionale und staatstragende Worte. Er forderte die Parteichefs der verschiedenen Lager eindringlich auf, mit "offenem Herzen nach kreativen Lösungen zu suchen" und einander ungeachtet tiefster politischer Differenzen zuzuhören. Israel könne sich in dieser kritischen Phase keine anhaltende politische Lähmung oder gar einen erneuten Urnengang erlauben.