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Britischer eisenzeitlicher „König“ Verica könnte eine Frau gewesen sein
Im Jahr 43 nach Christus begann die römische Eroberung Britanniens. Eine Schlüsselfigur dabei war der vertriebene Stammesherrscher Verica, der lange als Mann galt. Eine neue Deutung antiker Münzen und Namen legt jedoch nahe, dass hinter dem vermeintlichen König eine Frau stand. Andere Fachleute halten die Belege für keineswegs eindeutig.
Bournemouth (England). Im Jahr 43 nach Christus setzten römische Truppen nach Britannien über und begannen mit der Eroberung der Insel. Der antike Historiker Cassius Dio erwähnt einen Vertriebenen namens Bericus, der Kaiser Claudius zur Entsendung eines Heeres bewogen haben soll.
Dieser Bericus wird gewöhnlich mit Verica gleichgesetzt, einem Herrscher der Atrebaten im heutigen Südengland. Verica verlor um das Jahr 40 nach Christus die Macht und suchte Zuflucht in Rom. Da eigene schriftliche Zeugnisse aus dem eisenzeitlichen Britannien weitgehend fehlen, prägen antike Berichte und Münzfunde das historische Bild.
Der Archäologe Dr. Miles Russell von der Bournemouth University (BU) hat die überlieferte Identität Vericas neu bewertet. Er vermutet, dass die bisher als männlicher König eingeordnete Person in Wirklichkeit eine Frau gewesen sein könnte. Grundlage sind die Gestalt des Namens, die Aufschriften auf Münzen und deren bildliche Motive.
Auf einigen Münzen erscheint die lateinische Bezeichnung „rex“, die gewöhnlich mit „König“ übersetzt wird. Russell hält es für möglich, dass der Titel bei den von Rom anerkannten verbündeten Herrschern nicht ausschließlich Männern vorbehalten war. Seine Argumentation betrifft damit auch die Frage, wie die römische Politik in Britannien ihre Bündnispartner behandelte.
„Die Verwendung des lateinischen Titels rex auf Münzen zeigt, dass Verica mit voller Zustimmung des Kaisers regierte“, erklärt Miles Russell.
Besonders auffällig ist für Russell eine schlanke, unbekleidete Reiterfigur, die er als Frau deutet. Hinzu kommt die Endung des Namens Verica auf „a“, die auch bei bekannten eisenzeitlichen Herrscherinnen wie Boudica und Cartimandua vorkommt. Selbst eine verkürzte Abstammungsangabe auf Münzen ließe sich nach seiner Lesart möglicherweise als „Tochter des Commius“ statt als „Sohn des Commius“ verstehen.
Diese Argumente sind umstritten. Der auf lateinische Inschriften spezialisierte Altertumsforscher Roger Tomlin weist darauf hin, dass auch Männer lateinische Namen mit der Endung „a“ tragen konnten. Vor allem fehle bisher ein überzeugender Vergleich, in dem das Wort „rex“ tatsächlich für eine Königin verwendet wurde.
Auch die Münzforscherin Daphne Nash Briggs hält die Bilddeutung für unsicher. Auf anderen Münzen Vericas seien eindeutig männliche Gestalten zu erkennen, und manche Porträts wirkten ebenfalls männlich. Russell entgegnet, dass keineswegs feststehe, ob solche Darstellungen wirklich Verica selbst zeigen.
Eine Goldmünze in der Sammlung von Museums Victoria zeigt beispielsweise einen Reiter mit Schild und Speer. Der Museumskatalog ordnet Verica weiterhin als Sohn des Commius ein. Solche traditionellen Zuordnungen dokumentieren den bisherigen Forschungsstand, entscheiden die neue Streitfrage aber nicht abschließend.