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Microsoft ist kein Schicksal: Warum Europa jetzt handeln muss
Die britische Wettbewerbsbehörde hat Microsofts Ökosystem untersucht und damit einen Maßstab geschaffen, den Europa nicht länger ignorieren darf.
(Bild: FellowNeko / bearbeitet von heise Medien / Shutterstock.com)
Am 16. Oktober hat die britische Wettbewerbsbehörde CMA vorgeschlagen, Microsoft in seinem Business-Software-Ökosystem als Unternehmen mit strategischer Marktbedeutung einzustufen. Das klingt zwar im ersten Moment nach Behördensprech. Tatsächlich ist es eine gründliche Bestandsaufnahme der Frage, wie tief sich Verwaltung und Wirtschaft auch jenseits der EU über Jahre hinweg in die Abhängigkeit von einem einzigen Anbieter manövriert haben. Die CMA sieht Microsoft bei Betriebssystemen, Produktivitätssoftware, Sicherheitslösungen, Serversystemen und Datenbanken in einer starken Marktposition. Also bei fast allem, was viele Unternehmen und Einrichtungen tagtäglich nutzen. Und diese Fakten enden nicht an der britischen Grenze, denn in Frankfurt, Lyon und Mailand gelten weitgehend vergleichbare Lizenzbedingungen und Wechselhürden wie in Manchester.
Prof. Dr. Dennis-Kenji Kipker ist wissenschaftlicher Direktor des cyberintelligence.institute in Frankfurt am Main und Professor für IT-Sicherheitsrecht.
Interessant ist dabei vor allem ein Aspekt, den die britische Behörde in ihrer Untersuchung deutlich hervorhebt: Die Wechselkosten sind für viele Anwender zu hoch, um realistisch alternative Angebote zu nutzen. Innovativen Alternativen fehlt so auch die Chance auf einen vernünftigen Markt. Denn wer umfassende Microsoft-Pakete als SaaS-Lizenz bezieht, erhält kurzfristige wirtschaftliche Vorteile, durch die jedes Einzelprodukt eines Wettbewerbers auf den ersten Blick teurer wirkt, selbst wenn es technisch besser oder langfristig sogar günstiger ist.
Kritisch ist das gerade beim Thema KI, bei dem viele Unternehmen zurzeit sowieso erheblich verunsichert sind. Microsoft Copilot steckt bereits in Word, PowerPoint, Excel, Outlook und Teams, sodass ein konkurrierendes KI-Angebot nicht gegen ein einzelnes Produkt antritt, sondern gegen die technische Voreinstellung innerhalb des gesamten Produktökosystems aus Redmond. Dagegen kann man sich kaum allein durchsetzen. Kein Wunder also, dass die britische CMA nun genauer hinschauen will, ob alternative KI-Anbieter überhaupt noch faire Chancen auf dem Softwaremarkt haben. Bis zum 13. November läuft noch die Konsultation, endgültig entscheiden will die CMA bis zum 13. Februar 2027.
Diese Erkenntnisse sind fatal. Denn es geht schon lange nicht mehr nur um eine Wettbewerbs- oder Innovationsfrage. Diese Brisanz beschreibt auch die CMA treffend. Sie betont, dass für Behörden und kritische Organisationen die Fähigkeit, digitale Dienste wie KI zu wählen, zu wechseln und zu kombinieren, für Resilienz und strategische Autonomie immer wichtiger wird. Wer aber nur noch theoretisch einen digitalen Anbieter wechseln kann, ist nicht souverän, sondern abhängig. Das gilt für eine Landesverwaltung in Deutschland ebenso wie für ein Ministerium in Spanien, weil Lizenzmodelle und Wechselhürden im Binnenmarkt grenzüberschreitend weitgehend gleich sind.
Die Europäische Kommission hat im Teams-Verfahren im Jahr 2025 Zusagen des Redmonder Konzerns zwar akzeptiert, die Microsoft zu Softwarepaketen ohne Teams und zu mehr Interoperabilität verpflichtete. Doch das betraf nur ein einzelnes Produkt, während die digitale Abhängigkeit das gesamte Ökosystem weiterhin durchzieht. Kaum mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein also.
Das Bundeskartellamt hat Microsoft bereits im September 2024 Unternehmen mit überragender marktübergreifender Bedeutung eingestuft. Seither könnte die Behörde dem Konzern nach § 19a GWB wettbewerbsgefährdende Praktiken untersagen, die ein Risiko für Sicherheit, Souveränität und Innovation auf dem europäischen Softwaremarkt darstellen. Viel mehr ist bislang jedoch nicht geschehen. Die britische CMA liefert für ein Kartellverfahren jedoch nun eine ganz konkrete Blaupause, denn die zugrunde li