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Warum könnten Fehlgeburten bei Mandrills nützlich sein?
Reproduktives Scheitern oder Anpassung? Bei wildlebenden Mandrills treten Fötusverluste häufiger auf, wenn Weibchen während der Trächtigkeit noch ein abhängiges Jungtier versorgen. Langzeitdaten deuten zudem darauf hin, dass ein solcher Verlust die Kosten eng aufeinanderfolgender Fortpflanzung teilweise abfedern könnte, ohne dass damit ein bewusst gesteuerter Vorgang bewiesen wäre.
Leipzig (Deutschland). Schwangerschaft und Säugen beanspruchen bei Säugetieren gleichzeitig viel Energie, wenn zwei Fortpflanzungsphasen überlappen. Für eine Mutter entsteht dann ein biologischer Zielkonflikt zwischen dem bereits geborenen Nachwuchs und dem sich entwickelnden Fötus.
Bei Mandrills kommt diese Überschneidung natürlicherweise vor, weil einige Weibchen erneut trächtig werden, bevor ihr Junges entwöhnt ist. Neue Langzeitdaten zeigen nun, dass Fötusverluste in dieser Situation häufiger sind und dass besonders starkes Protestverhalten der Jungtiere ebenfalls mit einem erhöhten Risiko zusammenhängt.
Forscher der University of Turku um Dr. Nikolaos Smit haben dazu 356 Trächtigkeiten von 117 wildlebenden Mandrillweibchen in Gabun ausgewertet. 52 dieser Trächtigkeiten endeten mit einem Fötusverlust, was 14,6 Prozent der beobachteten Fälle entspricht.
Die Daten stammen aus den Jahren 2012 bis 2023, wobei 2020 wegen der COVID-19-Pandemie ausgenommen war. Sichtbare Sexual- und Trächtigkeitsschwellungen erlaubten es, Schwangerschaften und ihren Ausgang bei der an Menschen gewöhnten Population über Jahre zu verfolgen.
„Wir haben mehr als ein Jahrzehnt an Beobachtungsdaten zur Fortpflanzung mit nicht-invasiven Daten zu Trächtigkeiten sowie detaillierten Verhaltensbeobachtungen von Müttern und Jungtieren miteinander kombiniert. Diese einzigartige Kombination aus langfristigen demografischen und verhaltensbiologischen Daten ermöglichte es uns, Zusammenhänge zwischen dem Verhalten der Jungtiere, mütterlicher Investition und späterer Fortpflanzung aufzudecken, die sonst nur schwer zu erkennen gewesen wären“, erklärt Dr. Nikolaos Smit.
Entscheidend war dabei nicht einfach nur ein kurzer Abstand zur vorangegangenen Schwangerschaft. Der Zusammenhang zwischen abhängigem Nachwuchs und Fötusverlust blieb bestehen, als das Team die Zeit zwischen zwei Empfängnissen statistisch berücksichtigte.
Trächtige Mandrillweibchen wiesen Forderungen ihrer jungen Nachkommen häufiger zurück als nicht trächtige Mütter. Stillen, Tragen und mütterliche Zurückweisung waren für sich genommen jedoch kaum mit der Wahrscheinlichkeit eines Fötusverlusts verbunden.
Anders sah es beim Protestverhalten aus, zu dem bei Mandrills unter anderem anhaltendes Stöhnen und Schreien gehören. Je häufiger solche Wutanfälle auftraten, desto eher kam es auch zu einem Fötusverlust, wobei die Beobachtungsdaten keine Ursache-Wirkungs-Beziehung beweisen.
Dafür kommen mindestens zwei Erklärungen infrage: Ein schlechterer körperlicher Zustand der Mutter könnte sowohl mehr Protest beim Jungtier als auch mehr Fötusverluste begünstigen. Denkbar ist aber auch, dass das fordernde Verhalten selbst die mütterliche Belastung erhöht, weshalb die physiologischen Mechanismen noch geklärt werden müssen.