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Avatar: Seven Havens: Holpriger Start mit schönen Ansätzen
Seven Havens hat gute Ansätze und durchaus das Potenzial, das Avatar-Universum sinnvoll weiterzuführen. Allerdings verliert sich die Serie zwischen einer überladenen Charakterriege, einer unklaren Zielgruppe und dem Spagat, alte wie neue Zuschauer abzuholen.
Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, wie ich vor 20 Jahren jeden Sonntagmorgen rituell um neun Uhr Aangs Reise zum Abschluss der Avatar-Ausbildung – und dem daraus resultierenden Untergang der Feuernation – begleitet habe. Kaum eine Serie hat mich in diesem Maße geprägt. Und kaum eine Serie kann ich heute noch guten Gewissens wiederholen, weil ich weiß, dass ich damit eine wahnsinnig gute Zeit haben werde.
Auch der weiterführenden Serie rund um Avatar Korra konnte ich noch sehr viel abgewinnen und wollte auch nach ihrem Finale, dass es unbedingt mit Avatar weitergeht.
Natürlich wurde ich also hellhörig, als vor einigen Monaten nach langer Pause Avatar: Seven Havens für Paramount+ angekündigt wurde. Noch dazu sollte dadurch die Aang-Korra-Zeitlinie kanonisch fortgesetzt werden. Meine Erwartungen waren dementsprechend hoch – nun ja.
Avatar Korra hat die Apokalypse entfacht und die vier Nationen vernichtet. Aus den Ruinen entstanden die sieben Häfen, in denen die verbliebenen Völker Zuflucht fanden. Rund zweihundert Jahre später beginnt der nächste Avatar-Zyklus – die spannende Neuerung: Es sind gleich zwei Avatare. Die Zwillinge Pavi und Nisha werden in eine dystopische, vom Bändiger-Aussterben betroffene Welt geworfen, die den Avatar verabscheut und ihn mit allen Mitteln zu vernichten sucht. Während die eine ihren Pflichten als Herrin der Elemente gerecht werden möchte, will die andere nichts mit dem Thema zu tun haben. Zu allem Überfluss droht eine unheilvolle Macht den Hafen Ellora – unseren Schauplatz in Staffel eins – zu zerstören.
Das Same-Face-Syndrom bezeichnet ein Phänomen in der Animation, bei dem Charaktere dieselben Gesichtsformen und Proportionen teilen. Die Figuren unterscheiden sich dadurch meist nur noch durch Frisuren oder Kleidung. Das erschwert es dem Publikum, die einzelnen Charaktere optisch auseinanderzuhalten. Besonders bei großen Figurenensembles führt das schnell zu Verwirrung.
Was mir gleich zu Beginn auffiel: Es gibt schlicht zu viele Charaktere. Während in Aangs Geschichte in Buch Eins praktisch nur das gemeinsame Trio mit Katara, ihrem Bruder Sokka sowie Zuko mit seinem Onkel auf der Gegenseite im Fokus standen, werden wir hier allein in den ersten zwei Folgen mit rund zehn Charakteren konfrontiert, die alle versuchen, irgendwie eine Bindung zum Zuschauer aufzubauen.
Das Resultat: Charakterlich und emotional entfalten konnte sich kaum einer der Protagonisten. Letztendlich konnte ich mir nicht mal die einzelnen Namen merken und musste auf Definitionen wie „der General mit dem schönen Schnauzer” zurückgreifen – mal ganz davon abgesehen, dass viele Charaktere diesem nervigen Same-Face-Syndrom unterliegen. Ist natürlich mehr ein Ich-Problem, dennoch sind zehn Figuren bei gerade einmal dreizehn Folgen á 20 Minuten einfach zu viel. Vor allem kommen im Verlauf der Geschichte weitere, nicht minder relevante Charaktere hinzu, die nun alle gemeinsam am Plot zerren und versuchen, das Ganze spannend nach vorne zu treiben.
Avatar hat schon immer von seinen Charakteren und deren ausgefeilten Beziehungen zueinander gelebt. Es waren die kleinen Momente zwischendurch, die ganz entschleunigt den Figuren Raum zum Atmen, Wachsen und Zusammenschweißen gegeben haben. Gerade das habe ich hier schmerzlich vermisst. Vielmehr stand im Fokus, das Worldbuilding schnellstmöglich in Gang zu bringen. Im Grunde könnte die erste Staffel eher als holpriger Prolog verstanden werden, ohne genügend Fragen befriedigend zu beantworten – das wird eben einfach später erklärt … vielleicht … wenn ihr euch noch daran erinnert.
Die Serie versucht, Altbekanntes stringent einzupflegen, verfehlt aber zum Teil das nötige Gespür für die Bedeutung dahinter. Hier wird mal beiläufig