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Leiharbeiter: Nordkoreas Geldquelle in Russland
Nordkorea stellt nicht nur Soldaten für den Krieg gegen die Ukraine. In Russland sind auch Zehntausende Leiharbeiter tätig. Sie hoffen auf einen besseren Verdienst als in ihrer Heimat - erfüllt sich dieser Wunsch?
Im Restaurant "Pjöngjang" ist nicht viel los, jedenfalls nicht an diesem Abend. Es liegt in einem Moskauer Randbezirk, etwas versteckt, aber außen festlich beleuchtet und innen mit einer freundlichen jungen Nordkoreanerin am Empfang.
Oben, im Hauptspeisesaal, herrscht wenig Betrieb. Die Speisekarte ist fleischlastig, die Kommunikation mit der Bedienung mager und beschränkt auf die Menükarte. Wer hierher kommt, weiß für gewöhnlich, wie weit er im Gespräch gehen darf. Besser keine kritische Fragen zum Großen Führer Kim Jong-Un oder auch nur zu den Verdienstmöglichkeiten des Personals. Filmaufnahmen sind erst recht unerwünscht.
"Ich denke, die russischen Behörden wären darüber nicht glücklich und die nordkoreanischen Behörden wären sehr unglücklich", glaubt der russische Korea-Experte Andrei Lankow, der an der südkoreanischen Kunmin-Universität in Seoul lehrt. "Das Personal hat seine Anweisungen. Der Ausländer könnte ein bösartiger Reaktionär sein und von Provokation träumen. Wenn sie zu redselig sind, könnte man sie zurückschicken." Und dort weiter bestrafen.
Im Restaurant Pjöngjang in Moskau unterhält eine nordkoreanische Band die Gäste - mit Playback zu Propagandavideos.
Schon der dadurch entstehende Verdienstausfall allein sei eine Strafe. Zwar würden sie in Russland nur einen kleinen Bruchteil ihres Lohnes behalten, aber das sei immer noch mehr als die durchschnittlich umgerechnet 140 Euro, die es in der Heimat gäbe. Dass ein Fehlverhalten nicht auffiele, könnten die jungen Frauen kaum hoffen: Jede Arbeitsgruppe in Russland hat einen "Vorgesetzen", der in der Hauptstadt Pjöngjang ausgesucht wurde.
Inzwischen ist die Kellnerin mit dem Essen und dem nordkoreanischen Bier gekommen. Vier junge Musikerinnen haben begonnen, eine nordkoreanische Version von K-Pop zu spielen. Zum Sound der E-Gitarren wechseln die Videomotive auf der großen LED-Leinwand dahinter: die Blumen der Berge, die Seen und Wälder.
Ein Idyll, so soll es wirken - und doch eines, an dem offensichtlich nicht viele Russen interessiert sind. Neben einer nordkoreanischen Familie, die Kindergeburtstag feiert, hat es nur eine kleine Geburtstagsgesellschaft junger Russen hierher geschafft. Dabei sind die inzwischen fünf Restaurants dieser Art in Moskau wohl der einzige Ort, an dem man Nordkoreanern begegnen kann.
Laut westlichen Geheimdienstinformationen schickte das kommunistische Land bis zu 12.000 Soldaten.
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Ihre Zahl schätzt Lankow auf inzwischen 50.000, verteilt im Land. "Die Zahlen steigen sehr schnell. Flüge in russische Städte sind voll mit Nordkoreanern. Gemessen am Arbeitskräftepotential und der politischen Situation könnte Nordkorea bis zu 150.000 Arbeiter nach Russland schicken."