// EUROGAMER.DE — GAMING
Echoes of Aincrad sprengt alte Fesseln – schöpft es endlich das volle Potenzial von Sword Art Online aus?
Im neuen Action-RPG erstellt ihr einen eigenen Avatar und stellt euch dem tödlichen MMO. Wir haben das Solo-Abenteuer mit Permadeath ausprobiert.
Ich will nicht so tun, als wäre ich ein großer Fan der Vorlage von Echoes of Aincrad, aber objektiv betrachtet hatten so gut wie alle Sword-Art-Online-Spiele einen gewaltigen Haken.
Wenn man mal ehrlich ist, war es der Sache, die Fantasie eines tödlichen MMOs umzusetzen, nicht gerade dienlich, dass man so gut wie immer den Protagonisten der Roman-/Manga-/Animevorlage, Kirito, spielte. Sein Leben ist es, das auf dem Spiel steht, wenn das NerveGear ihm das Licht ausknipst, nicht das unsere. Dazu kommt: Weil wir (wenn man bei all dem Material am Ball geblieben ist) theoretisch wissen, dass er überlebt, schleppen er und seine Freunde obendrein eine Menge Plot-Armor durch die Gegend. Echoes of Aincrad macht damit Schluss.
Sword Art Online startete 2009 als japanische Light-Novel-Reihe von Reki Kawahara und wurde schnell zu einem weltweiten Anime-Phänomen. Die Prämisse des originalen "Death Games", bei dem Spieler in einem Virtual-Reality-MMORPG gefangen sind, prägte das Isekai-Genre maßgeblich.
Das wirft euch nämlich zurück an den Beginn der Saga, zu dem Moment, als Kayaba die Spielenden in seiner virtuellen Welt gefangen nimmt. Nur, dass ihr diesmal ein Sword-Art-Online-Spieler wie jeder andere seid. Diese Reise ist eure eigene, beziehungsweise die der Figur, die ihr euch selbst erstellt – und damit schon per se deutlich näher an dem Gedanken, selbst in Sword Art Online festzustecken.
Spielerisch ist das hier ein MMO für Solisten. Alle anderen “Teilnehmer” sind NPCs, auch wenn ihr hier fast alles macht, was in einem MMO so an der Tagesordnung steht. Die interessanteste Frage war wohl, wie Echoes of Aincrad die Idee des Realo-Perma-Death ins Spiel trägt. Um es kurz zu fassen: Das tut es nicht. Weder euer Avatar noch eure Begleiter sterben im normalen Spielbetrieb so permanent, wie es die Story vorgibt. Allerdings gibt es den “Death-Game”-Modus, in dem der Titel gewissermaßen einen Permadeath erzwingt und den Speicherstand löscht, wenn euer Charakter stirbt. Der ist entweder an die Voraussetzung gebunden, dass ihr die Story einmal durchspielt – oder die Ultimate Edition kauft. Halte davon jeder, was er will.
Ausdrücklich gut gemacht an dem Modus fand ich jedoch, dass er wie ein Modifikator angewendet wird. Ihr stellt also den Schwierigkeitsgrad unabhängig davon ein, ob die Gefahr eines endgültigen Todes mitspielt. Sicher, es war unrealistisch zu erwarten, dass Echoes of Aincrad euren Charakter schon im normalen Modus wirklich konsequent tötet. Dennoch hätte ich gehofft, dass die Entwickler dieser Gefahr zumindest auf irgendeine andere spielerische Weise Rechnung tragen. Mir hätte es schon gereicht, wenn etwa eure Begleiter ein permanenter Tod ereilen könnte. Nun gut, wie sich das allgemein auf euer Erleben der Geschichte auswirkt, sehen wir, wenn das Action-RPG fertig ist.
Abgesehen davon machte Echoes of Aincrad wieder einmal klar, warum ich keine MMOs zocke: Es dominiert viel Hin und Her durch lange, oftmals rechtwinklig angelegte Korridore mit vereinzelten Gegenständen zum Drüberlaufen in den Ecken und versprengten Mobs, die da rumstehen, damit ihr auf dem Weg dahin was zu tun habt. Mir hingegen signalisiert ein solches Level- und Encounter-Design, dass dieses Spiel eigentlich nur daran interessiert ist, mich möglichst lange in seinen Hallen zu halten – ganz wie ein MMO eben. Auf mich wirkt das immer wie das Gaming-Gegenstück zu einem Fitness-Center. Es sind Orte zur Selbstoptimierung, keine organischen Welten mit Geschichte. Ihr merkt – ich bin kein MMO-Fan, gleichwohl sehe ich, dass es für Echoes of Aincrad ein integraler Teil der Fantasie eines Solo-MMO ist. Fans der Serie dürfte das mitnichten in ihrer Immersion stören.
Was meine Neugier hingegen durchaus gepiekst hat, war das Kampfsystem, denn das gab sich erfreulicherweise direkter, als ich es von Online-RPGs gewohnt bin.