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Neue Quastenflosser-Art schließt Stammbaumlücke
Missing Link: Ein 150 Jahre in einem Museum herumliegendes Quastenflosser-Fossil hat sich als entscheidendes Bindeglied der Evolution entpuppt. Denn das Relikt erwies sich als neue Art der ikonischen Urzeitfische – und als der erste Quastenflosser aus der frühen Kreidezeit. Damit schließt dieser Macropoma gombessae getaufte Quastenflosser eine mehr als 50 Millionen Jahre lange Lücke im Stammbaum der ikonischen Urzeit-Fische.
Quastenflosser (Latimeriidae) sind lebende Fossilien, denn ihr Körperbau hat sich seit rund 400 Millionen Jahren kaum verändert. Lange glaubte man, dass diese massigen, bis zu zwei Meter langen Fische mit dem Ende der Kreidezeit vor rund 65 Millionen Jahren ausstarben. Doch im Jahr 1938 wurden vor den Komoren erstmals lebende Vertreter der Quastenflosser entdeckt. Inzwischen sind zwei lebende Arten dieser ikonischen, besonders langlebigen Fische bekannt.
Doch im Stammbaum der Quastenflosser klaffen noch immer riesige Lücken. Die erste reicht vom Ende der Kreidezeit vor 65 Millionen Jahren bis zum Jahr 1938. Eine zweite Lücke von fast 50 Millionen Jahren umfasst die gesamte Unterkreide – den Zeitraum vor 145 bis 100 Millionen Jahren. „Nach einem Peak der Quastenflosser-Vielfalt im späten Jura tauchen die Fische erst wieder in der Oberkreide auf, dort sind sie dann nur noch mit drei Gattungen vertreten“, erklären Jack Norton von der University of Portsmouth und seine Kollegen.
Eine dieser Lücken haben die Paläontologen nun geschlossen. Ausschlaggebend dafür war ein seit rund 150 Jahren im Natural History Museum in London aufbewahrtes Fossil. Dieses war im Jahr 1885 angekauft worden und stammte aus einer Gesteinsformation nahe Folkestone an der südenglischen Küste. Um was für einen Urzeitfisch es sich bei dem Fund handelte, blieb aber unerkannt. „Es ist unglaublich, dass ein so wichtiges Fossil mehr als ein Jahrhundert lang vor aller Augen lag“, sagt Norton.
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Welchen Schatz das unscheinbare Museumsstück darstellt, zeigte sich erst, als die Paläontologen das Fossil mittels Röntgentomografie näher untersuchten. „Erst jetzt verfügen wir über Technologie, die auch die kleinsten Details solcher Fossilien sichtbar macht“, sagt Norton. „Dadurch können selbst vor Generationen gesammelte Exemplare unser Verständnis der Evolution verändern.“
Die Analysen und eine genaue Datierung enthüllten: Bei dem Fischfossil handelt es sich um eine zuvor unbekannte Art der Quastenflosser aus der Zeit vor 100 bis 113 Millionen Jahren. Die Macropoma gombessae getaufte Spezies schließt damit eine der beiden großen Lücken im Quastenflosser-Stammbaum. „Die Entdeckung von Macropoma gombessae liefert uns nun wertvolle Informationen über morphologische Veränderungen in dieser Zeit“, schreiben die Paläontologen.
Der neu entdeckte Quastenflosser unterscheidet sich von anderen Spezies unter anderem in den ungewöhnlich großen Poren unter den Augen und am Kiefer. Dabei handelt es sich um Öffnungen der Sinneskanäle, über die diese Fische mechanische Reize wie Wasserbewegungen wahrnehmen konnten, wie das Team erklärt. Während diese Poren bei heutigen Quastenflossern stark reduziert und kaum noch zu erkennen sind, waren sie bei Macropoma gombessae noch sehr prominent. Auch bei den Zähnen und der Kopfornamenten gibt es deutliche Unterschiede.