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The Amazing Digital Circus beweist, dass Kino und TV nicht mehr nur den Big Playern gehören
Mit dem Kinostart der finalen Folge endet eine der erfolgreichsten Indie-Animationsserien der letzten Jahre. Nach nunmehr neun Episoden ziehe ich ein möglichst spoilerfreies Fazit zu The Amazing Digital Circus und erkläre euch, warum die Serie für mich mehr als nur ein YouTube-Hit ist.
Stellt euch vor, ihr findet in einem verlassenen Bürogebäude einen alten Rechner samt VR-Headset, setzt es aus Neugier auf und findet euch in einer quietsch-bunten Welt wieder. Eine absurd freundliche KI schickt euch gemeinsam mit anderen gestrandeten Spielern auf skurrile Abenteuer. In denen glitchen selbst NPCs “out of bounds” und hinterfragen die Bedeutung der eigenen Existenz, da sie unter der Map auf ihre eigenen Modelle im Object Pool stoßen. Das Schrägste: Ihr seid in dieser Welt gefangen, findet keinen Ausweg und eure Mitstreiter haben bereits aufgegeben, einen zu suchen. Zu allem Überfluss verbietet euch die KI auch noch das Fluchen, um Kinderfreundlichkeit zu wahren … Moment, wie war noch mal euer echter Name?
Als ich das erste Mal auf „The Amazing Digital Circus” aufmerksam wurde, merkte ich direkt, dass ich hier nach all den Jahren eine Show vor mir habe, die an meinen persönlichen Animationsserienmaßstab „Gravity Falls” von Alex Hirsch heranreichen könnte. Was 2023 als kleines Projekt unter der Leitung von Cooper „Gooseworx“ Smith Goodwin beim australischen Indie-Animationsstudio Glitch Productions auf YouTube begann, entwickelte sich in kürzester Zeit zu einem wahnsinnigen Erfolg.
Im Zentrum der Geschichte steht Pomni, die in diese absurde, kinderfreundliche Cyberwelt geworfen wird, die ich euch eingangs beschrieben habe. Doch der Schein dieser überzeichnet bunten Gestaltung à la „Don’t Hug Me I’m Scared” trügt. Über neun Folgen hinweg lernen wir die verschiedenen Charaktere, ihre Probleme und die Dynamiken innerhalb der Gruppe kennen.
Die Wichtigste Frage: Wie entkommen wir aus dieser Welt und den täglichen Abenteuern, ohne den Verstand zu verlieren und zu abstrahieren? Dabei werden Themen wie der Sinn der Existenz und Identität, Lebensentscheidungen, gesellschaftliche Rollenbilder und Missbrauch mal mehr, mal weniger offen oder im Subtext diskutiert. Unterstützt wird das Ganze durch eine stimmige Animation und einen Soundtrack mit extremem Ohrwurmpotenzial.
Ein Charakter abstrahiert, wenn er unter dem immensen psychischen Druck der Cyberwelt endgültig seinen Verstand und seine Menschlichkeit verliert. Die digitale Struktur der Figur bricht zusammen und sie mutiert permanent in eine amorphe, glitchende Kreatur aus unzähligen Augen und schwarzer Masse. Diese abstrahierten Avatare werden schließlich weggesperrt, da sie extrem aggressiv werden und eine Gefahr für die verbleibenden Gruppenmitglieder darstellen.
Es ist immer irgendwo gleichzeitig Fluch und Segen, erst kurz vor dem Ende einer Serie einzusteigen. Einerseits spart man sich die Wartezeit auf neue Inhalte, andererseits verpasst man so aber auch das direkte Mitfiebern der Fans. Die Community-Bindung ist eines der zentralen Kriterien für den Erfolg. Glitch, Gooseworx and der Cast interagieren regelmäßig mit den Fans und fördern Fanprojekte wie Artworks, Musik und Fantheorien, während das Studio umfangreiches Merchandise anbietet, dessen Erlös direkt zurück in die Projekte fließt.
Ich liebe besonders das Theoretisieren, und ebenso viel Freude hatte ich, nach den ersten acht Folgen einen Deepdive in die Video-Essays zu den Charakteren und potenziellen Story-Verläufen auf YouTube zu wagen. Spannend war zu beobachten, wie früh schon jemand auf die richtige Spur der Geschichte kam. Ich habe mich zudem auch dabei erwischt, jede Folge mehrfach zu schauen, um selbst nach weiteren Hinweisen zu suchen.
Dass die Show einen immensen Erfolg verbuchen konnte, habe ich ja bereits angerissen. Tatsächlich erreichte der Pilot alleine auf YouTube bislang rund 443 Millionen Aufrufe. Die finale Folge schließlich ins Kino zu bringen, war ein absoluter Geniestreich von Glitch. Was der YouTu