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Wissenschaft - Diese Luft war seit 2,4 Milliarden Jahren im Gestein eingeschlossen – jetzt könnt ihr sie atmen
Sauerstoff aus uraltem Gestein, das aus einstigen Ozeanen entstand. Ein Museum bietet als einziges der Welt einem eurer Organe eine eben noch versteinerte Mahlzeit an – eurer Lunge.
(Bildquelle: Adobe Firefly, generative KI)
So etwas atmet ihr nur einmal: Sauerstoff, älter als alles tierische Leben – so lautet das in der Wissenschaft verankerte Versprechen einer weltweit einzigartigen Kunstinstallation. Sie löst uralten Sauerstoff aus Gestein, das sich vor rund 2,4 Milliarden Jahren gebildet hat – im Zuge der quasi-Versteinerung eines der frühesten Ozeane der Erde.
»Breathe« lockt als Synthese aus Kunst und Wissenschaft ins »Museum of Old and New Art« (MONA) in Hobart (Australien). Die Idee: Geologie, Chemie, Biologie und Technik so intim wie wohl noch nie erleben – per Atemzug.
Ersonnen hat die Installation der Künstler Julian Charrière. 1987 in Morges (Schweiz) geboren, studierte er an der École cantonale d'art in Valais (Schweizer Kanton Wallis), gefolgt von einer Zeit an der Universität der Künste Berlin, wo er 2013 an Olafur Eliassons Institut für Raumexperimente abschloss.
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Im Dienste der Wissenschaft: Massenhaft schwarze Bälle werden in ein Wasserreservoir geschüttet
Wer nach Breathe sucht, muss im MONA tief hinabsteigen. Die permanente Installation findet sich eingebaut in die Grundfundamente des Museums – und jeder geht alleine hinein. Dem Besucher öffnet sich ein tresorartiger Korridor, der ähnlich einem Minenschacht hinabführt.
An seinem Ende öffnet er sich in einem kugelförmigen Gewölbe mit hoher Decke. Im fahlen Licht schält sich in der Mitte eine gläserne Röhre hinaus. Sie reicht vom Boden bis zur Decke, daneben ein steinerner Hocker. Der durchsichtige Zylinder weist ein kleines Loch an der Seite auf. Hieraus strömt für jeden Gast – sobald er davor Platz genommen hat – ein wenig des uralten Sauerstoffs.
Jener stammt aus einem Labor direkt vor Ort im Museum. Täglich nehmen dort Mitarbeiter einen Teil uralten Eisenoxids und entziehen ihm durch einen sogenannten Hofmann-Apparat Sauerstoff. Das Prinzip dahinter fußt auf Elektrolyse – der Auftrennung von Wasserstoff und Sauerstoff durch Strom. Pumpen entlassen letzteren danach in den Raum zum Besucher. Ersterer wird sicher abgeführt, da er hochentzündlich ist.
Als Quelle für den Ur-Sauerstoff dienen Banded Iron Formations (Bändereisenformationen) aus der Pilbara-Region in Westaustralien. Sie bildeten sich vor etwa 2,4 Milliarden Jahren im Zuge der ersten massenhaften Flutung der Erdatmosphäre mit Sauerstoff über mehrere Millionen Jahre – geologisch aber einen Katzensprung. Zuvor gab es Sauerstoff zwar bereits – aber in weit geringeren Mengen. Erst im Zuge des sogenannten »Great Oxidation Event«, reicherten sich im Urozean massenhaft verbreitende Cyanobakterien erst den Ozean und von da aus die Luft mit Sauerstoff an.
Im Laufe von für uns unvorstellbar langen Zeiträumen hob die Plattentektonik die damaligen Ozeane an. Zurück blieb der in ihnen gebildete Sauerstoff als Teil des Sediments. Er liegt chemisch an Eisenatome gebunden vor. Der Fachbegriff hierfür lautet Ausfällung.