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Wie ein 90er-Spiele-Verleih in Tegel mein Gamer-Leben prägte oder: Kennt ihr Disc 1?
Lange bevor Sony sein Ende der physischen Spiele einläutete, gab es in Tegel einen magischen Ort für Nerds. Eine Liebeserklärung an eine längst vergessene Ära.
Wie wäre es mit ein wenig Nostalgie? Aus einer Zeit, als man komisch angeguckt worden wäre, hätte man eine Spielepackung überhaupt einen physischen Release genannt. Einfach deshalb, weil was soll es sonst sein. Das Internet gab es im normalen Haushalt praktisch noch nicht und selbst wenn, dann hätte man sicher keine Games runterladen können. Wir schreiben das Jahr großer Veränderungen in Deutschland, 1990, aber diese sollten im beschaulichen Norden Berlins noch nicht gleich ankommen. Tegel, ein kleiner Ortsteil mit der lokalen Fußgängerzone, war nicht nur die Heimat der Tegel-Türken, sondern auch diverser 15-jähriger Nerds, die noch keinen so richtigen örtlichen Anlaufpunkt hatten, was Games angeht. Musik war mit dem in Ortskreisen bis heute legendären Laden Wilson & Voigt abgedeckt, es gab ein kleines Karstadt für mehr Musik und mit ein wenig C64-, Amiga- und sogar minimaler MS-DOS-Versorgung, aber das war schwerlich ein Treffpunkt, um über das Hobby zusammenzukommen.
Das sollte sich an einem etwas unbestimmten Tag in diesem Jahr ändern. Wo heute und damals in der Brunowstraße 17 "AW-Weine und Spirituosen" seinen Eingang hat, da gab es einen kleinen Seitenladen. Der ist heute ein Lager von AW, davor war es lange eine kleine Schneiderei, aber von etwa Anfang 1990 bis etwa 1994 war dort Disc 1. Und Disc 1 war etwas ganz Besonderes. Für drei oder vier Jahre praktisch unser zweites Zuhause.
Videotheken hatten zur Disketten-Ära noch keine Computer-Games. Selbst die Verbreitung von Konsolen war noch zu gering, als dass es sich gelohnt hätte. Es gab auch noch kein Vertriebsnetzwerk, das dies für Video World und andere lange verstorbene Zeitzeugen einfach gemacht hätte, hier einzusteigen. Das kam erst später, zur PS1-Ära dann mit echtem Schwung. Das war die Lücke, die Disc 1 1990 erkannt hatte und eine umtriebige, nerdige Endzwanzigerin mit Games-Begeisterung und einem Hang zum Hair-Metal der 80er nutzte sie. Netti, vollständiger Name dem Redakteur immer noch bekannt, war schlicht cool. Man kann es nicht anders sagen. Alles Gute an dem, was man Berliner Freundlichkeit nennt, vereinte sich hier. Direkt, pragmatisch, etwas schnodderige Schnauze, aber auf eine nette Art. Außerdem brachte sie als ehemalige Leiterin einer Videothekenfiliale auch die nötige Erfahrung und Kompetenz mit, um den Laden sicher am Laufen zu halten. Sie war die unwahrscheinliche Heldin dessen, was wir mal in Ermangelung eines besseren Wortes die Gamer-Szene von Tegel nennen.
Disc 1 hatte vielleicht eine Ladenfläche von 40 Quadratmetern, es könnten auch ein paar weniger gewesen sein. Wenn man reinkam, standen rechts am Schaufenster Atari-ST-Games, dann an der deutlich größeren nächsten Wand Amiga-Sachen. Drehte man sich weiter, kam der kleine Tresen mit der Tür zum Mini-Büro dahinter und in der Ecke daneben dann die MS-DOS-Welt. Um das Ganze abzurunden, gab es noch einen Tisch mit einem Amiga zum Zocken drauf und dann war man auch schon wieder beim Drehen zurück an der Eingangstür. In der Mitte stand dann noch das schon eher ausgesuchte C64-Material. Disc 1 hatte es damals noch nicht mit Retro und damals wollte keiner Retro.
Die Einrichtung des Ladens war einfach: Billige Wandregale für den aktuellen heißen Kram, darunter die Boxen, die man aus Plattenläden kennt, zum Durchflippen der älteren Titel. Es waren fast immer die Originalboxen, die dort standen, natürlich ohne Inhalt. An jeder Packung war ein Aufkleber mit einer vierstelligen Nummer, die alle in einer extrem simplen, nun, nennen wir es mal großzügig Datenbank, eines selbst für damalige Zeiten alten PCs abgelegt war.
Wollte man eines der Spiele leihen, dann kostete das sechs Mark für die neuen Sachen, bis runter auf drei Mark für den alten Kram für 24 Stunden, Wochenrabatt möglich. Dass ein Spiel da war, wusste man, wenn man die Packung in de