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Doom: Schöpfer John Romero verrät, wie Raubkopierer damals den Kult-Shooter groß machten
Auf der QuakeCon erklärte der Mitgründer von id Software, warum das Studio in den 90er Jahren den illegalen Vertrieb in Taiwan ganz bewusst unterstützte.
John Romero ist der legendär langhaarige Mitgründer von id Software. Als Vater von Spielereihen wie Quake und Doom packte er nun eine spannende Anekdote aus: Er erzählte, wie id Software damals mit taiwanesischen Raubkopierern zusammenarbeitete, um Doom unter die Leute zu bringen.
Die Geschichte spielt in den 80ern und frühen 90ern. Damals setzten viele Spiele auf ein Shareware-Geschäftsmodell. Den ersten Teil eines Spiels gab es völlig kostenlos. Den Rest konntet ihr dann gegen eine Gebühr direkt beim Entwickler bestellen. Genau dieses Modell nutzte id Software erst für Wolfenstein und später auch für Doom.
Es gab schlichtweg nichts, was Raubkopierer davon abhielt, diese Shareware-Versionen zu kopieren und als ihre eigenen zu verkaufen. Also taten sie es einfach. Daraufhin entstand ein regelrechter Schwarzmarkt. "Man ging in einen Laden und sah zehn verschiedene Boxen. In allen steckte dieselbe Shareware-Version von Doom", erinnerte sich Romero auf einem QuakeCon-Panel 2026 (etwa ab Minute 20). "Das war großartig. Wir waren damit absolut happy."
In den 90er Jahren war Shareware ein revolutionäres Vertriebsmodell. Die erste Episode eines Spiels (wie bei Doom oder Wolfenstein 3D) wurde kostenlos verteilt. Wer weiterspielen wollte, musste die Vollversion per Post beim Entwickler bestellen.
Warum sich id Software darüber freute? Die Raubkopierer übernahmen quasi den kompletten Vertrieb für das Spiel. Und das in einer Region, mit der id Software ohnehin wenig am Hut hatte. "Wir wussten zu 100 Prozent, dass sie es in Taiwan kopierten", erklärte Romero. "So funktionierte dieser Markt damals eben."
Statt aber dagegen anzukämpfen, nutzte id Software die Situation einfach aus. Das Studio spannte die enorme Reichweite der Raubkopierer ein, um das Spiel noch weiter zu verbreiten. "Also kontaktierten wir die größten Kopierer dort drüben und fragten: 'Könnt ihr unsere Boxen kaufen? Richtig billig, wirklich spottbillig.' Also kauften sie massenhaft Boxen von uns, damit das Ganze legitim wirkte." Die Botschaft war simpel: "Bitte macht es. Ihr müsst uns kein Geld geben. Bringt es einfach unter die Leute."
Es lag voll im Interesse von id Software, diese illegalen Machenschaften zu unterstützen: "Wir haben unser Geld erst verdient, wenn die Leute tatsächlich den Rest des Spiels bestellten", sagte Romero. Außerdem half es dem Studio, in dieser Region eine riesige Fanbase aufzubauen. Diese interessierte sich später vermutlich auch für andere Spiele der Entwickler. "Für uns galt damals: Vertrieb ist alles."
Das ist eine ziemlich erfrischende Beichte. Schließlich kämpft die Spielebranche seit jeher verbissen gegen Raubkopien. Publisher gängeln euch als Spieler oft mit nervigen Kopierschutz-Systemen, um illegale Downloads einzudämmen. Diese Schlacht wendet sich erst in jüngster Zeit zugunsten der Spielehersteller – vor allem dank eines permanenten Online-Zwangs.
"Wir kamen aus einer Zeit in den 80ern, in der der Kopierschutz ein echter Krieg war", erinnerte sich Romero. "Es gab damals aber einige Publisher, die darauf verzichteten. Und wir hatten großen Respekt vor diesen Leuten. Diesen Krieg mit dem Kopierschutz konnte man sowieso nie gewinnen. Also wollten wir unsere Zeit gar nicht erst damit verschwenden."