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Vor 70 Jahren: Das Unglück von Marcinelle veränderte Europa
Am 8. August 1956 ereignete sich im belgischen Marcinelle eines der schwersten Grubenunglücke Europas. 262 Bergleute aus zwölf Nationen starben. Das Unglück beeinflusste auch die Entwicklung hin zur EU.
Das Unglücksbergwerk "Bois du Cazier" ist heute Museum, Gedenkort und Weltkulturerbe. Das Unglück im belgischen Marcinelle beeinflusste die Entwicklung der Montanunion, der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl, bis hin zur modernen EU. Es löste diplomatische Krisen aus und beendete in weiten Teilen die Arbeitsmigration aus Italien, dem Land mit der größten Zahl an Opfern. Das Unglück gilt auch als Startpunkt für einen modernen europäischen Arbeitsschutz.
Die Bilder der wenigen Überlebenden gingen damals um die Welt. Ein belgischer Bergmann, der im "Tunnel des Todes" überlebte, erzählt einem Fernsehreporter kurz nach seiner Rettung: "Um sieben Uhr morgens fuhr ich über den Hauptschacht in 1000 Meter Tiefe ein. Um 8 Uhr kamen immer noch Arbeiter mit dem Aufzug runter. Ich rief: 'Fahrt sofort wieder hoch, da ist was passiert.' Ich fuhr mit, alles war voller Rauch, ich erstickte fast. Später sagte man mir: 'Du bist mit dem allerletzten Lift nach oben gekommen'".
Die Bilder aus Marcinelle bildeten einen krassen Gegensatz zum gefeierten neuen Europa, das gerade politisch entstehen sollte - in der Zeit des Wirtschaftswunders voller Glanz, Nierentisch-Modernität und scheinbarer Sicherheit.
Angefangen haben die EU-Parlamentarier vor 70 Jahren klein, nicht nur zahlenmäßig: Befugnisse hatte das EU-Parlament zu Beginn kaum.
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Das jedenfalls versprachen die Gründer der wenige Jahre zuvor etablierten Montanunion: Ein eher wirtschaftlich ausgerichtetes Zweckbündnis von sechs europäischen Staaten, zu denen auch Deutschland gehörte.
Über einen gemeinsamen Kohle- und Stahlmarkt sollte Europa ökonomisch schlagkräftig und vor allem modern werden. Die Wirklichkeit sah oft noch anders aus. Das zeigte sich in Marcinelle zum Entsetzen der Wiederaufbau-Europäer, die sich schon in hochmodernen Verhältnissen wähnten.
Unter Tage herrschte fast noch das Mittelalter: Knieend oder liegend mussten die Kumpel mit Spitzhacken die Kohle direkt aus dem Gestein brechen. Damit nicht alles sofort einstürzte, wurden die Hohlräume wie Jahrhunderte zuvor mit trockenem Holz abgestützt. Das fing schnell Feuer - wie am Morgen des 8. August.
Ein Bergmann hatte eine volle Kohle-Lore in den Lastenaufzug geschoben. Weil die Kommunikation nach oben nicht klappte, fuhr der Aufzug zu früh an, die Lore war aber noch nicht ganz drin. Überstehende Teile rissen Strom- und ölgefüllte Hydraulikleitungen ab. Nach einem Kurzschluss entstand Feuer.
Seit diesem Jahr ist die Kohleförderung in Jänschwalde Geschichte. Rückbau und Renaturierung bleiben eine Herausforderung.
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