// TAGESSCHAU AUSLAND — MONDO
Weltsozialforum: "Wir müssen auf die eigenen Ressourcen setzen"
Alle zwei Jahre beschäftigt sich das Weltsozialforum mit der Lage des Globalen Südens. In diesem Jahr kam man in Benin zusammen - und hatte eine selbstbewusste Botschaft für die Staaten des Nordens.
"So-, So-, Solidarité!“ schallt es über den Campus der weitläufigen Universität von Cotonou, der größten Stadt Benins an der westafrikanischen Atlantikküste. Zur Abschlusskundgebung haben sich nochmal rund 1.000 Teilnehmende des Weltsozialforums versammelt. Es sind Menschen aus mehr als 50 Ländern, die meisten aus afrikanischen Staaten, aber auch aus Lateinamerika und Asien. Viele marschieren in den farbenreichen Kleidern ihrer Herkunftsländer, tragen Banner ihrer Organisationen vor sich her.
Die Stimmung ist kämpferisch. Ihre Slogans klingen wie ein selbstbewusstes Statement des Globalen Südens an die reichen Industriestaaten im Norden der Welt. "Solidarität mit den Kleinbauern Afrikas!", "Solidarität mit den Migranten und Migrantinnen!", "Solidarität mit den Entrechteten und Vertriebenen!"
Sie fordern Gerechtigkeit, auch durch die internationale Klimapolitik: Demonstranten am Rande des Weltsozialforums in Benin.
Fast eine Woche lang dauerte das größte Treffen der Zivilgesellschaften der Welt, das sich seit seiner Gründung 2001 im brasilianischen Porto Alegre als Gegenentwurf zum Weltwirtschaftsforum in Davos begreift. Regierungspolitiker sind hier ausdrücklich unerwünscht; es ist ein Treffen von Nichtregierungsorganisationen, die vor allem denen eine Stimme geben wollen, die sonst nicht gehört werden: Kleinbäuerinnen und Kleinbauern, Fischern und Fischerinnen, Geflüchteten und Vertriebenen.
Die Titel der Foren auf dem Campus lesen sich wie eine Agenda der großen Themen dieser Welt: Es geht um Klimagerechtigkeit, Ernährungssicherheit, Landraub und Menschenrechte - Themen, die dringlicher erscheinen als je zuvor. Und das hat viel mit den Kriegen und Konflikten im Norden zu tun: der Rückgang der Getreideimporte aufgrund des Ukrainekriegs oder die Verteuerung von Kunstdünger wegen der Schließung der Straße von Hormus.
Dazu kommt der Rückzug der USA und anderer westlicher Staaten aus der Entwicklungszusammenarbeit und die Schwächung vieler UN-Institutionen durch die Politik von US-Präsident Donald Trump. Man müsse das Motto des Weltsozialforums eigentlich umformulieren, sagt Franciso Mari, der für das evangelische Hilfswerk Brot für die Welt in Benin ist. Statt "Eine andere Welt ist möglich!" müsste es eigentlich heißen: "Eine andere Welt ist dringend nötig!", so Mari. Das gelte insbesondere für den Klimawandel, dessen Folgen die Länder des Globalen Südens besonders hart treffen.
Viele Projekte in Afrika sind von den US-Hilfen abhängig - nun drohen vielen Menschen verheerende Folgen.
mehr
Was das bedeutet, kann man nur zwei Autostunden entfernt, westlich von Cotonou besichtigen, in den Mangrovenwäldern von Grand Popo. Die Wälder gehören zu einem riesigen Biosphärenreservat, das sich über 35.000 Quadratkilometer von Benin bis Togo erstreckt. Sie sind Teil der grünen Lunge Westafrikas - wichtig für den Klimaschutz.
Seit Jahren ist der Bestand der Wälder durch Abholzung bedroht. Vor Ort kümmert sich die Umweltorganisation Eco-Bénin darum, die Mangroven mithilfe von Aufforstungsprogrammen zu schützen. Doch jetzt droht die dringend benötigte Hilfe aus Europa und den USA zu versiegen.