// HEISE ONLINE — HARDWARE & GADGET
Extremes Weltraumwetter kann Bordelektronik von Flugzeugen beeinträchtigen
Extreme Weltraumwetterereignisse können Fehler in Bordinstrumenten verursachen, die die Flugsicherheit beeinträchtigen. Forscher haben Maßnahmen erarbeitet.
This article is also available in
English.
It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.
Wissenschaftler des Surrey Space Centre (SCC) an der Surrey University haben die Einflüsse von extremen Weltraumwetterereignissen auf den Flugverkehr in typischen Reiseflughöhen untersucht. Dabei haben sie festgestellt, dass die dabei entstehende Strahlenbelastung so stark ansteigen kann, dass sie die Bordelektronik stört. Das kann sich auf die Flugsicherheit auswirken.
Die bei Sonnenaktivitäten auftretende Strahlenbelastung kann trotz schützender Atmosphäre starke Auswirkungen auf kommerzielle Flüge haben. Die hochenergetischen Teilchen aus dem Weltraum können die zunehmend empfindlicheren Bordinstrumente von Flugzeugen, die in Höhen zwischen 8 und 14 km operieren beeinträchtigen. Die Forschungsergebnisse haben die Forscher in der Studie „Assessment of impacts to aviation radiation by extreme space weather events and new atmospheric radiation scales“ zusammengefasst, die im Journal of Space Weather and Space Climate veröffentlicht ist.
Durch die Strahlenbelastung können Single-Event Upsets (SEUs) ausgelöst werden. Dabei handelt es sich um kleine Störungen, die durch Anhäufung kritische Systeme beeinträchtigen können. Die SCC-Wissenschaftler stellten fest, dass die Anzahl der SEUs in extremen Szenarien von einigen wenigen auf mehrere Tausend pro Stunde ansteigen können. Diese Störungen können gefährlicher werden als etwa Auswirkungen der erhöhten Strahlenbelastung, die auf die Besatzung und die Passagiere infolge von Extremereignissen einwirkt.
Als Beispiel aus der Praxis für solche Beeinträchtigungen der Bordelektronik führen die Forscher einen Flug im Oktober 2025 an. Ein JetBlue-Flug von Cancún nach Newark musste aufgrund von strahlungsbedingten Störungen in Florida notlanden. Der Flugsteuerungscomputer habe sich als anfällig für „intensive Sonnenstrahlung“ erwiesen. Airbus behielt in der Folge rund 6000 Flugzeuge des Typs Airbus A320 am Boden.
Die Strahlenbelastungen können dabei erhebliche Ausmaße annehmen. Bei einem Sonnensturm im November 2025 traten in großer Höhe Strahlungswerte auf, die zehnmal so hoch waren wie der Normalwert. Die Messungen wurden unter der Leitung des SCC durchgeführt. Der stärkste Sonnensturm, der jemals aufgezeichnet wurde, fand 1956 statt. Die dabei entstandene Strahlung habe eine Besatzung und Passagiere rein rechnerisch einer Strahlendosis aussetzen können, die der gesamten flugbedingten kosmischen Strahlung eines Jahres entspricht.
Die größten Risiken treten auf Flügen in der Polarregion auf. Die Wissenschaftler sehen die Flugrouten zwischen London Heathrow und dem Vancouver International Airport am gefährdetsten an. Auf dieser Route sei das magnetische Schutzschild der Erde am schwächsten. Bei schweren geomagnetischen Stürmen sei eine weitere Ausdehnung der Folgen nach Süden bis weit über das Vereinigte Königreich möglich, schreiben die Wissenschaftler.
Die Forscher sehen mögliche Auswirkungen von extremen Weltraumwetterereignissen auf die Flugsicherheit. Sie bemängeln, dass lediglich die routinemäßige Strahlenbelastung bei den Sicherheitsstandards für Bordelektronik berücksichtigt werde, die bei extremen Weltraumwetterereignissen entstehende Strahlung aber nicht. Deshalb sollten eindeutige Richtlinien erarbeitet werden, wie Extremweltraumwetterereignisse in die Flugplanung mit aufgenommen werden können. Denn bisher gebe es kein einheitliches Verfahren, um Auswirkungen von extremem Weltraumwetter festzustellen und zu bewerten, um dann darauf reagieren zu können.
Die Wissenschaftler haben entsprechend eine auf die Luftfahrt zugeschnittene Skala für atmosphärische Strahlung erstellt. Die Skala wird auf Messungen hochenergetische Protonen im Weltraum und bodengestützter Neutronenmonitore