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Prozess um WM-Katar 2022: Whistleblower an Ausreise gehindert
Der Ex-Mediendirektor des Organisationskomitees der WM 2022 in Katar ist ein wichtiger Zeuge, wenn es um den Vorwurf der Zwangsarbeit und des Menschenhandels geht. Doch Abdullah Ibhais darf nicht von Jordanien in die USA reisen, um dort in einem Prozess auszusagen.
Eigentlich wollte Abdullah Ibhais am vergangenen Montag von der jordanischen Hauptstadt Amman nach New York fliegen. Dort soll der frühere Mitarbeiter des katarischen WM-Organisationskomitees am 20. August im Zuge der Beweisaufnahme als Zeuge in einem Verfahren aussagen. Es geht um schwere Vorwürfe, um Menschenhandel und Zwangsarbeit beim Bau der Infrastruktur für die Fußball-Weltmeisterschaft 2022 in Katar.
Doch Ibhais wurde am Flughafen von den jordanischen Behörden an der Ausreise gehindert, wie sein New Yorker Anwalt Aaron Halegua der ARD bestätigt. Wenige Tage zuvor war Ibhais bereits vom Geheimdienst festgehalten und am folgenden Tag wieder freigelassen worden. Nach Angaben seines Anwalts sei ihm dabei gesagt worden, dass er sich nicht mehr zur Fußball-WM, zur Situation der Gastarbeiter und zu seinem eigenen Fall äußern solle. Die jordanischen Behörden äußerten sich auf ARD-Anfrage zum Vorgang nicht.
Abdullah Ibhais saß bereits mehrere Jahre in Katar in Haft. Dennoch will der frühere Mediendirektor weiter über die Umstände der Baumaßnahmen für die Fußball-WM 2022 aussagen.
Die Geschichte von Abdullah Ibhais ist eng mit den Vorwürfen über die Behandlung von Gastarbeitern bei der WM in Katar verbunden. Der Jordanier arbeitete als Kommunikationsdirektor für das Supreme Committee for Delivery and Legacy, das katarische Organisationskomitee der WM 2022.
2019 kritisierte Ibhais intern den Umgang des WM-Organisationskomitees mit streikenden Gastarbeitern und machte später öffentlich, dass aus seiner Sicht deren Verbindung zu WM-Projekten heruntergespielt werden sollte. Wenig später wurde er wegen Bestechung und Veruntreuung in Katar verurteilt - Vorwürfe, die er bis heute bestreitet. Seine Verurteilung bezeichnete Ibhais stets als Vergeltungsmaßnahme des WM-Organisationskomitees. Dieses wies den Vorwurf zurück.
Eine UN-Arbeitsgruppe stufte seine Inhaftierung 2024 als willkürlich ein. Mehr als drei Jahre verbrachte Ibhais in Katar im Gefängnis. 2025 kam er frei und kehrte nach Jordanien zurück. Nun soll sein Wissen in einem amerikanischen US-Gerichtsverfahren eine Rolle spielen.
Die internationale Kritik an den Arbeitsbedingungen rund um die WM in Katar war groß. Katar reagierte nach einiger Zeit darauf und führte gewisse Erleichterungen für die Arbeiter ein.
Die verhinderte Ausreise beschäftigt inzwischen auch die Politik in Washington. Der demokratische US-Kongressabgeordnete James McGovern aus Massachusetts, Co-Vorsitzender der Menschenrechtskommission im Repräsentantenhaus, hatte Ibhais ebenfalls nach Washington eingeladen. Auch dieses Treffen konnte bislang nicht stattfinden.
McGovern kündigte gegenüber der ARD an, sich an das US-Außenministerium zu wenden. Seine Forderung richtet er ausdrücklich an Außenminister Marco Rubio: "Nutzen Sie Ihren Einfluss auf die jordanischen Behörden, damit Abdullah Ibhais in die USA reisen kann."