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Energie - Die Hitze der Klimakrise hat Frankreichs Atomkraftwerken einen neuen Feind gebracht – und der schwimmt
Eine einzelne Qualle kann wenig ausrichten –Hunderte oder tausende hingegen schon.
(Bildquelle: Unsplash, Jeffrey Hamilton und Mick Truyts)
Wenn Atommeiler herunterfahren, um eine Katastrophe zu verhindern, dann denken viele vermutlich zuerst an Tschernobyl oder Fukushima. Bei einem Kraftwerk in Frankreich steckte kürzlich etwas weniger Technisches, sondern vielmehr tierisches dahinter, als der leistungsstärkste Meiler des Landes vom Netz ging.
Die Ursache: Quallen stürmten einen Reaktor vom Wasser aus. Wir erklären, was dahinter steckt und weshalb uns solche tierischen Zwischenfälle noch öfter blühen könnten. Die brütend heißen, feuchten Sommertage, die wir immer öfter erleben, sind nämlich eng verzahnt mit den Invasionen aus den Tiefen.
Bei diesem Artikel handelt es sich um Archiv-Content, den wir für euch noch einmal neu hochgezogen haben.
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Wolkenkratzer als 1.000 Meter hoher Energiespeicher
Der Vorfall Quallen versus Atomkraftwerk ereignete sich Mitte August 2025 in Nordfrankreich beim Meiler Gravelines, betrieben seit 1980 von Électricité de France (EDF). Direkt an der Nordsee an einem Kanal gelegen, stellt die Anlage bei Vollbetrieb all seiner sechs Reaktoren etwa 5.500 MW an Leistung parat. Derzeit ist es das leistungsstärkste Kernkraftwerk Frankreichs und Nummer 2 in Europa. Saporischschja in der Ukraine liegt an der Spitze.
Ein überraschend großer Schwarm Quallen drang laut dem Betreiber in die Pumpsysteme für Kühlwasser ein. Sie verstopften die Filtersysteme, welche normalerweise dafür gedacht sind, um die Leitungen frei von Objekten zu halten. Als die Computer den Abfall des Wasserdrucks im Inneren des Kraftwerks registrierten, fuhren sie automatisch die vier zu dem Zeitpunkt aktiven Reaktoren herunter. Wäre dies nicht geschehen, hätte theoretisch die Gefahr einer Überhitzung bestanden.
Wer sich mit der klassischen Stromproduktion auskennt, weiß: Wir machen bei allen Reaktoren, egal ob kohle-, gas-, öl- oder urangetrieben, Wasser heiß. Der Dampf strömt dann mit Druck durch Turbinen und diese erzeugen mittels Wechselwirkung elektromagnetischer Felder Strom, der bei uns aus der Steckdose kommt.
Bei Atomkraftwerken haben wir zwei strikt voneinander getrennte Wasserkreisläufe, den Primär- und den Sekundärkreislauf. Erster enthält das Wasser, das im Reaktor mit den radioaktiven Materialien in Berührung kommt. Der Zweite nennt sich Kühlkreislauf – ihn haben die Quallen in Gravelines unterbrochen. Hierfür wird Wasser angesaugt, zum Wärmeabtransport intern verwendet und dann wieder gen Gewässer oder zum Kühlturm abgeleitet.
Was machen eigentlich die Kühltürme? Die großen, nach oben hin breit auslaufenden Kühltürme, sorgen für den Wiedererkennungswert. In den Kühltürmen wird der erhitzte, aber strahlungsfreie Wasserdampf heruntergekühlt, zurück in den Kreislauf gepumpt oder als Wasserdampf in die Atmosphäre abgegeben.