// EUROGAMER.DE — GAMING
Starflight wird 40 Jahre alt: Der Sci-Fi-Pionier, der Mass Effect überhaupt erst möglich machte
Das Sandbox-Abenteuer bot schon 1986 ein frei erkundbares Universum auf Disketten. Wir blicken zurück auf den revolutionären Urahn von Mass Effect.
Mit der Veröffentlichung von Starflight im Jahr 1986 für den PC (später auch für Amiga, Atari ST und Sega Mega Drive) betrat das kleine Entwicklerteam Binary Systems mit Unterstützung von Publisher Electronic Arts Neuland.
Im Gegensatz zu der linearen Spielerfahrung vieler anderer Spiele zu der Zeit bot Starflight ein völlig offenes, frei erkundbares Universum. Der Fokus lag hier auf Weltraum-Entdeckung, Ressourcenabbau, taktischen Raumkämpfen und Rollenspielelementen, die nahtlos miteinander verbunden waren. Zugleich war es eine der größten Inspirationsquellen für BioWares späteren Erfolg Mass Effect. Heute wird Starflight 40 Jahre alt.
Um das alles möglich zu machen und eine solch große Spielwelt im limitierten Speicher damaliger Disketten unterzubringen, musste das Entwicklerteam einige technische Kniffe anwenden. Dafür nutzte es sogenannte fraktale Algorithmen zur prozeduralen Generierung. Mit diesem System wurde jeder Himmelskörper im Spiel aus einem Basiscode errechnet. Dadurch bot Starflight einen für damalige Verhältnisse enormen Umfang von 270 Sternensystemen und 800 individuell besuchbaren Planeten – komplett mit eigenen topografischen Oberflächen, Gravitationsbedingungen, Bodenschätzen und außerirdischen Lebensformen. Heutzutage gehen Spiele wie No Man's Sky weit darüber hinaus, doch Titel wie Starflight ebneten den Weg dafür.
Spielerisch orientierte sich Starflight stark an TV-Klassikern wie Star Trek. Ihr musstet eine fähige Crew aus verschiedenen Rassen zusammenstellen und für Stationen wie Navigation oder Wissenschaft ausbilden. Bei Begegnungen mit fremden Raumschiffen konnte man zwischen freundlichen, unterwürfigen oder feindseligen Kommunikationshaltungen wählen, was weitreichende diplomatische Folgen hatte. Angetrieben wurde diese spielerische Freiheit von einer tiefgründigen Geschichte rund um eine uralte Zivilisation und eine kosmische Katastrophe in Form zerstörerischer Sonneneruptionen.
Paul Reiche III ist eine echte Legende des Gamedesigns. Neben seiner beratenden Rolle bei Starflight erschuf er später den absoluten Genre-Meilenstein "Star Control". Auch an der Entwicklung der populären "Skylanders"-Marke war er viele Jahre später federführend beteiligt.
Starflight hatte also einen großen Einfluss auf die Videospielindustrie. Abseits dessen, dass es als Inspiration für Mass Effect diente, legte es auch den Grundstein für den Kulthit Star Control. Dessen Schöpfer Paul Reiche III stand dem Starflight-Team damals beratend zur Seite.
Wenn euch der Sinn nach einem historischen Spielerlebnis steht, könnt ihr Starflight (und seinen Nachfolger) auch heute noch spielen. Möglich macht es GOG, wo ihr beide Titel im Bundle günstig bekommt.