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Kritik: House of the Dragon Staffel 3 Episode 1 – Darf’s ein bisschen Meer sein?
Der spektakuläre Auftakt entschädigt für die zähe zweite Season und liefert eine schonungslose Seeschlacht, die den gesamten Krieg in Westeros verändert.
Ich würde House of the Dragon gern zu HotD abkürzen. Leider denke ich dabei sofort an SEGAs The House of the Dead. Mein Gehirn sieht dann Lightgun-Drachen auf Schienen, und das ertrage ich nicht. Deshalb muss ich weiterhin jedes Mal House of the Dragon ausschreiben.
Und leider war die zweite Staffel von House of the Dragon eine ziemliche Enttäuschung. Es wurde viel geredet, die Schlüsselfiguren reisten kreuz und quer durch Westeros wie Instagram-Influencer durch Südostasien, und die Handlung drehte sich trotzdem im Kreis. Wir warteten acht Folgen lang auf den Krieg zwischen der rechtmäßigen Königin und dem unrechtmäßigen König samt Anhang.
Lord Pupsenstein zog stattdessen nach Grünheidenfels, um Haus Knödelruh und dessen Truppen für sich zu gewinnen. Oder vielleicht war es auch umgekehrt. Ich habe mir die Namen nicht gemerkt. Jedenfalls mussten genug Soldaten zusammengetrommelt werden, damit dieser Krieg endlich beginnen konnte. Gleichzeitig suchte man nach weiteren Drachenreitern, denn auf der Waage der militärischen Macht wiegen Drachen am schwersten.
Die gute Nachricht: Endlich ist Krieg! Nach zwei Jahren voller Drohungen, Ratsversammlungen und düsterer Prophezeiungen ist der lang erwartete bewaffnete Konflikt endlich da. Die zweite Staffel hatte den Tanz der Drachen sorgfältig aufgebaut, ihre Figuren aber so lange über Landkarten und durch Burggänge geschickt, dass der große Konflikt zeitweise wie ein Termin wirkte, den Westeros immer wieder verschiebt – ähnlich wie Rockstar und GTA 6. Die dritte Staffel beginnt daher mit einer klaren Ansage: Die Vorbereitungen sind vorbei und jetzt sterben noch mehr Menschen.
Bevor das Meer brennt, führt der Auftakt zunächst in die Flusslande. Daemon hat dort gemeinsam mit seinen Verbündeten und den Männern des Nordens die feindliche Armee geschlagen. Der Tod von Jason Lannister zeigt, wie schnell stolze Namen im Krieg zu einer weiteren Leiche im Schlamm werden.
Das Zentrum der Folge bleibt jedoch die Schlacht an der Gurgel. Rhaenyras Blockade hat Königsmund vom Seehandel abgeschnitten. Um diese zu brechen, setzen die Grünen auf die Triarchie aus Essos. Was folgt, ist keine elegante Seeschlacht, sondern ein großes Gemetzel. Männer springen auf fremde Decks, Schwerter treffen auf Holz, Fleisch und Knochen. Die Gewalt trifft dadurch härter in die Magengrube als in vielen monumentalen Fantasy-Schlachten à la Der Herr der Ringe.
Die Inszenierung verbindet Feuer und Wasser mit bemerkenswerter Konsequenz. Brennende Segel stürzen auf kämpfende Soldaten, Körper verschwinden zwischen Trümmern, Drachen ziehen über Wellen, auf denen kaum noch erkennbar ist, welche Seite gerade gewinnt. Die Folge investiert sichtbar viel Geld in dieses Chaos, verlässt sich aber nicht allein auf Größe. Sie fällt immer wieder auf einzelne Figuren zurück: Corlys Velaryon, Alyn, Sharako Lohar, Jacaerys, Baela und schließlich Rhaena.
Besonders Lord Corlys profitiert von der Schlacht. In der zweiten Staffel wurde ihm viel Bedeutung zugeschrieben und jetzt darf er endlich wieder der Mann sein, dessen legendärer Ruf auf dem Meer entstanden ist. Seine Fehde mit Sharako Lohar gibt dem Gefecht eine persönliche Note. Als Corlys über Bord geht, setzt ausgerechnet Alyn den Kampf fort und tötet Sharako. Der uneheliche Sohn beendet damit das Duell des Vaters, der ihn viel zu lange auf Abstand gehalten hat.
Über dem Wasser zeigt der Staffelauftakt, weshalb Drachen einen Krieg nicht einfach entscheiden, sondern ihn vor allem unberechenbarer machen. Jacaerys und Baela wirken zunächst wie eine überlegene Flugstaffel und ihre Drachen Vermax sowie Mondtänzer verbrennen die feindlichen Schiffe beinahe mühelos. Für einige Minuten scheint es, als könnten zwei junge Drachenreiter eine ganze Flotte auslöschen. Dann werden gewaltige Harpunen eingesetzt, die die fliegenden Echsen in gr